Ute ist da!

Dienstag, 28. April 2009
Keine Angst, es wird jetzt in den nächsten drei Wochen nicht zweimal täglich ein Update geben, aber mir ist gerade danach, heute erstmalig zweimal am Tag zu schreiben.

Ute ist die Erste, die ich um 16:30 vom Flughafen abgeholt habe, und dann mit mir um 19:00 auf der Golden Gate Bridge stand. Kalt isses. Aber wunderschön. Mittelleicht bewölkt, suchen wir uns nach einem Spaziergang auf der Brücke selber ein eher windstilles Plätzchen, um in aller Ruhe eine Begrüßungsrotwein zu trinken. Und um 20:30 gehen langsam die Lichter auf der Golden Gate Bridge an, und es ist wieder eine neue Seite der Brücke, die ich noch nicht eingefangen habe…

Das Bild von uns ist eher etwas unscharf, wir sind aber zufrieden damit, wollen jetzt nicht noch 8 mal versuchen, es besser hin zu bekommen, und belassen es dabei. Schön auch, vorher, das Dixi-Klo, das von natura her eher Plastik-Blau ist, ist hier im „international orange“ gestrichen – eine Farbmischung, die extra für die Golden Gate Bridge entwickelt wurde – damit es auf der Brücke ins Gesamtbild passt….

Karstadt-Stefan hat mir Musik geschickt, Vickie Leandros singt Hilde Knef-Lieder – sehr schön. Ute ist gerade wegen dem Zeitunterschied mitten im Satz eingeschlafen, ich bin noch kurz am Rechner, um die Mails des Tages zu checken. Freue mich, dass sie da ist, ist wirklich ein Stück Heimat, was mit ihr kommt. Unsere Themen streifen verschiedenste Leute, aber wir haben drei Wochen, und viel Zeit, uns auszutauschen…

An dieser Stelle lieben Dank für alle Grüße aus der Heimat, aber einen ganz speziellen Gruß an Wilma, Utes Mutter! Und an meine Mutter. Freue mich, dass sie den Weg zum Computer so positiv genommen hat… Freue mich auf die nächsten Wochen!

Über Erdbeben, Schweinegrippe und den Umgang mit virtuellen Gefahren

Montag, 27. April 2009
Wenn ich die befreundeten Blogs aktuell lese, scheint die Schweinegrippe jetzt wirklich jeden zu beschäftigen, ob Ursel hier in San Francisco, oder Christian, der gerade in Hong Kong ist. Ich höre seit zwei Tagen in der Tagesschau, dass man scheinbar gerade in Obachtstellung geht, einerseits versucht, Panik zu vermeiden, aber trotzdem die Gefahr der Öffentlichkeit melden muss. Höre gerade seit langem mal wieder 1LIVE, wo ich erfahre, dass zwei Fälle in Bielefeld gemeldet wurden. Das wirft nun die Frage auf, wo ist denn jetzt das größte Risiko?

Die Frage ist, macht man jetzt einfach weiter, als ob nichts sei, oder wird man jetzt hysterisch, besorgt sich schon mal die passenden Medikamente, bevor einem die anderen die letzen Tabletten vor der Nase weg schnappen, oder lässt man die Kirche im Dorf, und hofft, nein, ich würde es nicht mal ein Hoffen nennen, sondern geht einfach davon aus, dass diese Gefahr - genauso wie 1000 andere Gefahren des täglichen Leben - an einem vorbei geht?

Was die Schweingrippe angelangt, bin ich nicht wirklich besorgt. Klar, die Nähe (1000km) zu Mexico macht die Wahrscheinlichkeit etwas höher, dass man betroffen sein könnte, als dass die Epidemie jetzt von Westfalen ausgehen würde. Gerade laufen Nachrichten, Meldungen aus Spanien und Großbritannien, und gleich eine Meldung eines deutschen Reiseverbandes, der bedauerlich berichtet, dass dies noch kein Grund für Reisestornierungen sei. Also, sooo schlimm kann es ja auch noch nicht sein.

Das ist die Schweinegrippe. Ein anderes Thema ist die Erdbebengefahr in San Francisco. Das Thema habe ich bislang ausgeschlossen, um niemanden zu beunruhigen, derweil habe ich allerdings das Gefühl von irgendwas zwischen Panik-Mache und „Pech kann einem an jedem Ort der Welt geschehen, da muss man sich nicht auf eine vermeintlich konkrete Gefahr konzentrieren“. In der Tat, als ich letztes Jahr hier her kam, und ich mich eine Weile mit der Umgebung beschäftigt hatte, kam ich am Thema Erdbeben auch nicht vorbei. Es gibt eine gute Webseite, die einen gut informiert über Erdbebenaktivitäten in Kalifornien.

Ja, faktisch kann man sehen, dass sich hier viel Erde bewegt. Rein theoretisch kann es jeden Moment richtig wackeln. Rein praktisch, bzw. rein faktisch – und das ist jetzt schon in einer gewissen Weise zynisch – war es in der letzen Zeit viel gefährlicher, auf der Kölner Severinstraße oder im italienischen Aquila zu leben, oder an Schulen zu sein, an denen Amok-Läufer ihr Unwesen treiben.

Ja, und habe dort auch Marcs Worte im Ohr, den ich im Herbst zu diesem Thema befragt habe. Ingrid, meine ehemalige Vermieterin kommentiert im Herbst das gute Wetter mehrfach mit dem Worten „Wir haben Erdbebenwetter!“ Ursache für diesen Ausdruck ist die Tatsache, dass 1989, als hier ein größeres Erdbeben war, was wohl im November war, richtig gutes Wetter war. Seit dem ist das ein geflügeltes Wort. Nun denn, Marc sagte, wenn jedes Mal, wenn das Wetter etwas besser ist, die Erde wackeln würde, dann wär hier was los…

Und auch vor ein paar Wochen, es gab ein Erdbeben bei Freemont, ca. 100 km entfernt mit einer Stärke von 4. Das merkt man wohl schon, die Nachrichten berichteten hier fast wie vom 11. September, aber eigentlich war nach einer Weile klar, es gab keine Personenschäden, keine wirklichen Sachschäden, und ein paar Stunden später hat man nichts mehr gehört. Es blieb lediglich der Eindruck, die Medien hatten sich richtig gefreut, dass endlich das lang ersehnte Erdbeben da ist. Leider dann doch nicht so richtig, fast eine Art der Enttäuschung...

So ist das also mit theoretischen Gefahren. Es ist gut, sich mit manchen Dingen zu beschäftigen, aber man muss sich auch irgendwann klar darüber sein, dass nicht alleine das Wissen um eine potentielle Gefahr eine reale Gefahr auslöst. Und sich auch klar sein, dass es wahrscheinlich wesentlich gefährlicher ist, bei rot, oder vielleicht sogar bei grün, die Straße zu überqueren, wenn der deppige Autofahrer einfach ein Meter zu spät zum Stehen kommt…

Und wenn die Erde wirklich wackelt, darf man nur hoffen, dass man nicht gerade in einem maroden Altbau sitzt, und wenn die Schweinegrippe kommt, das Immunsystem einen auch bei der Krankheit hilft. In diesem Sinne. Ute sitzt im Flieger und ist wahrscheinlich bereits über dem amerikanischen Kontinent. Sicher erfahre ich von ihr, ob es am Flughaben Maßnahmen bezüglich der Schweinegrippe gibt.

Die Bilder sind übrigens vom Ocean-Beach. Habe mir gestern endlich mal einen Sonnenuntergang angeguckt. Wunderschön – aber schweinkalt. Da fährt man mit der Straßenbahn hin – die wendet dann kurz vor den Dünen…

Mittwochs nachmittags in San Francisco...

Donnerstag, 23. April 2009

...oder über eine Amerikanische Einbürgerungszeremonie, das japanische Kirschblütenfest und einen Alltag mit Lernen und Arbeiten.


Seit meinem letzen Eintrag sind bereits 1½ Wochen vergangen, frage mich gerade, wo die Zeit bleibt. Mir kommt es so vor, als ob ich eben noch auf dem Fest im Dolores-Park mit den verrückten Schwestern gewesen bin, doch wums sind schon wieder 10 Tage vorbei.

Na, ein großer Teil der Zeit geht gerade wirklich fürs Lernen drauf. Das nicht nur tagsüber, sondern teilweise auch abends. Einerseits will ich voran kommen, andererseits fesselt es mich auch gerade. So richtig kann ich das gar nicht erklären, was mich daran begeistert. Wenn ich bewusst drüber nach denke, fällt mir auch nichts Gutes dazu ein. Programmieren ist eigentlich eher langweilig. Aber dann eben doch nicht. Aus der Video-Schulung, die ich mache, habe ich mir sozusagen meinen eigenen Workshop gebastelt.

Ich habe mir drei Tage lang die Schulung angeguckt, irgendwann aber angefangen, nicht mehr nur die Videos zu gucken und die Übungen zu machen, sondern habe ein kleines Projekt angefangen, das ich jetzt einfach mit FLEX programmiere, ohne die Sprache zu können. Nun denn, das ist einfach so, wenn man das Grundprinzip vom Programmieren einmal verstanden hat, kann man im Grunde jede Programmiersprache lernen. Man lernt nicht das programmieren neu, es geht’s eher darum, die Möglichkeiten von FELX kennen zu lernen, und wie die einzelnen Befehle heißen, wie man die anwendet, kennt man aus anderen Sprachen. Das ist irgendwie wie autofahren, man lernt nicht mit jedem neuen Auto das fahren von vorne, sondern muss sich nur an die anderen Knöpfe und Hebel und das neue Fahrgefühl gewöhnen…

Und ich merke, auch wenn das Lernen in nur ganz kleinen Schritten voran geht, wie gut mir das tut. Es erinnert mich ein wenig an die Zeit nach meiner IT-Schulung bei SIEMENS oder die Anfänge meiner Selbständigkeit. Das waren jeweils Zeiten, in denen ich mich auf eigene Faust nach vorne bewegen musste, um die Möglichkeiten auszuschöpfen, die mir geboten wurden. Ich habe das Gefühl, die neue Programmiersprache wird mir neue Türen öffnen, und neue Aufgaben für meinen Arbeitsalltag bringen. Seit vier Jahren mache ich nun im Grunde immer das gleiche. Klar, ich denke, meine Qualität der Arbeit ist sicher besser geworden, aber es wiederholt sich eben alles. Und ich merke, dass ich dann anfange, mich zu langweilen. Nicht weil es langweilig ist, sondern weil scheinbar irgendwas in mir immer neue Reize haben will. Und das ist auch gut so. Ich glaube, sich diesem Trieb hinzugeben ist sicher nicht die schlechteste Sache.

By the way, wahrscheinlich habe ich mit Amerika sicher einer der gravierendsten neuen Reize gesetzt ;-). Aber weg davon – übers Programmieren zu schwafeln ist wahrscheinlich jetzt richtig langweilig…

Letzen Mittwoch hatte ich die Gelegenheit, mit anzuschauen, wie die Leute hier zu Amerikanern gemacht werden. Ganz faktisch, wie läuft das ab, wenn jemand Ami wird?!? Karl-Heinz lebt seit über 30 Jahren hier und sortiert sich gerade für seinen Ruhestand. Ich finde es sehr spannend zu beobachten, wie jemand seine selbständige Arbeit aufgibt, bzw. in Formen wandelt, damit nun mit 72 wirklich sowas wie die Rentenzeit beginnt. In der Vorbereitung auf diesen Abschnitt hat er sich auch entschieden, Amerikaner zu werden, damit er nicht Gefahr läuft, irgendwann Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Auch wenn er den deutschen Pass behält – was seit 2000 möglich ist, und sich erst seit dem viele Deutsche entschieden haben, Amerikaner zu werden – ist für ihn ziemlich klar, dass er nie mehr nach Deutschland zurück geht. Er ist hier zu Hause, hat bald die Hälfte seines Lebens hier verbracht, er sagt selber „Amerika war so gut für ihn“, dass er jetzt den US-Pass haben möchte.

Den Test für die Einbürgerung hat er vor ein paar Wochen abgelegt, am letzen Mittwoch war es dann soweit. Die „Naturalization“, also das Staatsbürger-Werden wurde im Paramount-Theater in Oakland zelebriert. Ebenfalls, ähnlich wie das Castro-Theater, ein gigantisches Gebäude, und wie WIKI schreibt, eines der größten Mehrzweck-Theater an der Westküste aus dem Jahre 1931. Offiziell wird das Theater zu diesem Zweck in einen Gerichtssaal verwandelt. Mit der Ausnahme, so wie der sich durch seine Moderation kalauernde Herr um die 60 anmerkt, hier darf richtig viel fotografiert werden, was im Gericht verboten sei.

Ebenfalls bittet er darum, dass alle Handys ausgeschaltet werden. Er selbst sagt, er müsse seins jetzt einschalten, falls der Präsident anruft, mit der augenzwinkernden Bemerkung „Wissen Sie, der ist ja noch neu, der hat noch viele Fragen“ ;-) Nun denn, er findet seinen Humor auf jeden Fall richtig gut, aber er schafft es in der Tat, diesem letzt endlich juristischen Akt sowohl eine Lockerheit als auch eine gewisse Festlichkeit zu verleihen. Und schafft es später in sieben verschiedenen Sprachen, dabei auch chinesisch und russisch, und auch mit mehr als einem „Ni hao“ die Leute als Staatsbürger zu begrüßen.

Es wurden an diesem Vormittag knapp 1000 Leute aus 102 Ländern zum amerikanischen Staatsbürger. Alle Länder wurden aufgerufen, die Anwärter aus dem Land mussten dann aufstehen. Auch Jubelrufe waren ausdrücklich erwünscht. So gab es laute Jubelrufe, als Mexico oder China genannt wurden. Bei manchen leisere Rufe. Auch Irak wurde genannt, da kam kein Jubelruf. Keine Ahnung, ob das eine Bedeutung hatte… Mir fiel es nur auf.

Das ist eben Amerika – und ich bin wieder bei meinem lieben Thema des doch sehr deutsch geprägten Wortes Ausländer: Die gibt’s her nicht. Hier gibt’s nur unterschiedliche Herkünfte. Und alle zusammen bilden dann irgendwie Amerika. Ein paar Verwaltungsbeamte informieren auf Englisch, Spanisch und Chinesisch, wie es abläuft, den Pass zu erhalten, dass man sich nun in die Wählerlisten eintragen soll, und welche Rechte sie als Amerikaner nun haben. Und natürlich, wie teuer es ist. 120 Dollar, um den Pass in der regelrechten Abwicklungszeit zu bekommen, Express für 160 und 174,90 für den Super-Express (Der krumme Preis würde sich aus den aktuellen Portogebühren ergeben ;-) ). Also, die Leute bekommen nicht nur Ihr Zertifikat der Staatsbürgerschaft, sondern alle stehen gemeinsam auf, schwören auf Amerika, unterzeichnen ihre Unterlagen, und geben ihren Umschlag ab, mit dem sie dann ihren Pass beantragen. Dabei wird eigentlich deutlich, welch ein gigantischer Verwaltungsakt hier abgehalten wird, dass für 1000 Leute zeitgleich die Pässe beantragt werden können. Ich frage mich mal wieder, wie die das machen, wie ich mich so oft gefragt habe, wie die Verwaltungsabläufe hier eigentlich funktionieren. Glücklicher Weise – und zu meiner positiven Verwunderung – klappt vieles doch reibungslos.

Danach wird gefeiert, Karl-Heinz lädt zum Mittag-Essen, vielen Dank noch mal, richtig gutes Restaurant im Ferry-Buildung am Embarcadero. Karl-Heinz hat die Seele auf der Zunge, so weiß dann auch schnell der Kellner, was Anlass dieses Essens ist. Was wirklich ganz schön ist, danach kommen verschiedene Service-Angestellte zu uns an den Tisch, und gratulieren. Man freut sich gemeinsam. Und auf dem Dessert-Teller war dann auch ein mit Schokolade geschriebenes „Congratulation“ zu lesen, die Info ging also bis in die Küche.

Schon eine besondere Veranstaltung. Ein Fest ganz anderer Art war das Cherry-Blossom, sprich, dem Kirchblütenfest im Japan-Town. Ich kenne das aus Hamburg, dort bedanken sich die immigrierten Japaner einmal im Jahr zum Kirchblütenfest mit einem großen Feuerwerk für die Gastfreundschaft der Stadt. Ich denke, das hier hat eine ähnliche Aussage, es findet eine große Parade statt. Irgendwie ein Mix aus Rosenmontagszug und Winzerfest. Verschiedenste Verkleidungen wie im Karneval, aber auch Prinzessinnen, die lächelnd, winkend sich bewundern lassen. Keine Kamelle. Na, und am Schluss werden irgendwelche Monstranz-artigen Gehebe durch die Straßen Dinge getragen, jeweils ein kleiner Tempel oder Tabernakel-ähnliches werden von zig Leuten getragen, zuerst eine von einer Kindergruppe, dann eine Frauengruppe, dann eine Männer-Tempel und ganz am Ende eben sowas wie n Prinzenwagen, auf dem drei ältere spärlich bekleidete Herren feiern lassen. Insgesamt aber eine recht langweilige Veranstaltung.

Ansonsten – hier ist am Wochenende der Sommer ausgebrochen – an die 30 Grad, und meine Haut pellt sich gerade erst vom Sonnenbrand vom Wochenende davor. Japan-Town liegt mehr im Stadtinneren und leicht im Tal, sodass dort kaum ein Wind ging. Ehrlich gesagt, mit war’s fast schon etwas zu heiß. Heute ist schon wieder besser, 20 Grad und absoluter Sonnenschein, das ist dann auch schön, selbst wenn man drinnen sitzt und einfach nur raus guckt ;-). War gestern mit Yves im Kino, es ist schon witzig, er klagte sein Leid über seine Arbeit als Sozialarbeiter, und so bekomme ich auch etwas Alltag von andern mit. Am Wochenende habe ich Joseph bei Computerkram geholfen, waren danach im Dolores Park, am Sonntagabend hatte er wieder Karten für das Herbst-Theater, dieses Mal ein Streicher-Quartett, ein richtig gutes Konzert. Und es tut mir wirklich gut, ihn zu treffen. Manchmal ist es etwas anstrengend, wenn die Leute doch arg oberflächlich sind… Bei ihm ist das anders. Da tauchen auch Themen wie Umweltschutz, Klimaerwärmung auf. Also, auch das wird hier immer mehr Thema…

In diesem Sinne, bevor ich jetzt wieder ins Endlose schreibe. Das Wetter ist schön, heute werde ich wohl mal an den Ocean-Beach fahren (oder auch nicht, hab zu lange geblogt…). Nächsten Montag kommt dann schon meine liebe Frau Karbach, nächste Donnerstag sitzen wir im Auto in den Grand Canyon… Super, ich freue mich schon sehr!

Frohe Ostern - und jede Menge Osterhäschen

Montag, 13. April 2009
Heute gibt’s eine Breitseite Fotos. Nach anstrengendem Lernen ist auch hier das Osterwochenende gekommen. In keiner Weise aber vergleichbar mit unserem. Karfreitag haben wohl ein paar Leute frei, heute, Montag ist ganz normaler Arbeitstag. Habe Andrew aus Palo Alto dazu befragt. Er betonte, sowas wie eine Staatskirche wie bei uns würde es in den Staaten nicht geben. Von daher gibt’s außer Weihnachten auch nicht wirklich einen Feiertag mit religiösen Hintergrund. Und um politisch korrekt zu sein, und keine anderen Religionsgruppen zu diskriminieren, sagt man bei solchen Festen dann auch eher „Happy Holiday“ als „Frohe Ostern“.

Nun denn. Andrew fragte mich dann noch, ob die Staatskirche bei uns denn katholisch oder protestantisch sei… Konnte ihn nicht so recht davon überzeugen, dass es im eigentlichen Sinne keine Staatskirche ist, merkte aber auch gleichzeitig, dass ich ins Schleudern kam, wie man das erklären soll, dass es keine Staatskirche ist, aber doch – schaut man auf den Steuerschein – es zumindest irgendeine Verbindung von Staat und Kirche gibt.

Schwestern der Perpetuellen Indulgenz



Gestern, Ostersonntag war hier der 30. Geburtstag der „Schwestern der Perpetuellen Indulgenz”. Mag sein, dass sich Leute mit einem starken Glauben dies als blasphemisch oder Verunglimpfung des Osterfest empfinden, hier sollte man aber eher einen kölschen Pragmatismus oder Et Kölsche Grundgesetz walten lassen mit Haltungen wie „Wat wells de maache?“, „Wat soll dä Käu?“ oder „Do laachs de dich kapott.“.


Kurz gesagt, Ziel und Aufgabe des Ordens ist, Geld sammeln und Präventivarbeit betreiben, Leute über HIV und AIDS zu informieren, Betroffene unterstützen und Aufklärungsarbeit zu machen, um die Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden. Dies tun sie eben nicht nur mit der Sammelbüchse, klar, die gehört dazu. Aber vor allem tun sie dies in der Form dieser überdrehten Schwestern-Trachten und in Form eines Ordens, welche für gemeinnützige Dinge ja auch nicht ungewöhnlich ist. Und durch das extreme Erscheinungsbild eine bekannte und damit wirkungsvolle Größe in der Community ist. Na, und vor allem erlaubt es, erwachsenen Männern, gerne auch eher bärtige oder bärige, sich in organisierter Form dieser Schrillheit hingeben zu können ;-).

Und da Ostern ist, ist auch alles mit Häschen-Öhrchen bestückt, egal, ob die Band, die spielt, die Schwestern, oder auch die Besucher des Fests. Das ist irgendwas zwischen Karneval und CSD. Sehr bunt. Und sehr viel Potential zum Fotografieren :-D.













Zugleich, Anlass um eine Hut-Wettbewerb auszuschreiben, der schönste Osterhut wird gesucht – hier nu rein simples Beispiel.




Und schließlich das Finale: Hier der Sieger in der Mitte – na, der eine wirft sich eben in Schwestern-Tracht, der andere mach in Hüten… so ist jeder Jeck anders.




Nach dem Fest hat‘s mich noch eine Weile durch die Stadt getrieben. Gerade der südliche Bereich unterhalb der Market-Street ist sehr stark gewerblich genutzt, wahrscheinlich weil hier auch die Infrastruktur der Straßenanbindung am besten ist. Von unten betrachtet sieht das ganze dann so aus.

Na, und das ist eben auch ein typisches Bild – Menschen, die auf der Straße leben. Und auch wieder untypisch, einer der ersten Obdachlosen, die ich mit Iso-Matte und Buch-lesender-Weise gesehen habe. So hörte ich neulich – es gibt in der Tat Leute in der Stadt, die ganz regulär eine Arbeit haben, aber auf der Straße leben – dies könnte ein Exemplar davon sein. Meistens sind die Leute allerdings schon wie man es erwartet, sehr verwahrlost. Offiziell hat San Francisco gute 700.000 Einwohner, also irgendwie Frankfurt-Größe – inoffiziell, hier illegal lebende und nicht registrierte Menschen, gehen die Schätzungen wohl bis zu einer Million. Irgendwie merkwürdig, kann man sich in Deutschland nicht vorstellen…

Auf meiner kleinen Stadt-Safari lief ich mir dann irgendwann selber in die Arme – und hab n Foto von mir gemacht. Ich frage mich bis heute, warum um Himmels willen hing dort ein Spiegel am Brückenpfeiler? Oder habe ich versehentlich das Badezimmer einer Obdachlosen betreten… Ich weiß es nicht.






Kleines Schmankerl zum Schluss. Dies ist der CalTrain – ein Zug, der wirklich nach deutscher Pünktlichkeit fährt. Am Donnerstag habe ich mich auf den Weg nach Palo Alto gemacht, um Andrew zu besuchen. Ich habe seit Ewigkeiten das Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick hier liegen (jeder, der an einem Kommunikationsseminar teilgenommen hat, wird die „Sie können Ihren verflixen Hammer behalten“-Geschichte kennen. Die ist aus diesem Buch). Er hat ebenfalls „Gebrauchsanweisung für Amerika“ geschrieben, was richtig witzig ist und man jedem Amerika-Reisenden ans Herz legen sollte. Von daher wollte ich auch erst genanntes Buch gelesen haben. Auf der ersten Seite dann: „…das Buch schöpft aus den Erfahrungen des Autors, die er in Palo-Alto-Gruppe in Kalifornien (einer psychotherapeutischen Gruppe) gesammelt hat…“ Jetzt les ich diese Zeile und bin in 45 Minuten genau in dem Ort – Zufälle gibt’s…

In diesem Sinne –eine schöne Osterzeit!

Zeit verstreicht - von Alltag und Menschen

Mittwoch, 8. April 2009
Nun denn, habe eigentlich nicht das Gefühl, dass es viel zu berichten gibt, aber es muss ja nicht immer der große Wurf sein. Das Schreiben lenkt mich gerade angenehm von meiner Fortbildung ab. Die ist zwar auf fünf Tage angelegt, es sind aber dicke Brocken drin, dass ich länger dafür brauchen werde, und ich es nur langsam schaffe, mir den Stoff einzuverleiben.

Die Tage verstreichen gerade in einer ruhigeren Weise. Arbeit kommt eher kleckerweise herein, aber zumindest in einem Rahmen, dass meine Steuerzahlung, die mir völlig entfallen war und ich das Geld, das ich zu diesem Zweck zur Seite gelegt hatte, ebenfalls für die nächste Rundreise verplant habe, dann doch wieder abgesichert ist.

Die leichte Flaute beunruhigt mich aber nicht wirklich. Ich bin beim WDR zwar „nur“ freier Mitarbeiter, aber heute kam schon die Ankündigung für das nächste Projekt. Im Herbst habe ich ein Abstimmungstool für einen ARD/ZDF Förderpreis umgesetzt, das ist gerade im Einsatz. Wie das eben mit solchen Projekten ist, erst wenn im Alltag mit Programmen oder Webanwendungen gearbeitet wird, kommen die Punkte und Ecken heraus, die man in der Konzeption nicht berücksichtigt hat, weil man einfach nicht erwartet hat, dass einzelne Anwender diese so oder so bedienen.

Na, und im Sommer, wenn die neue Bundesliga-Saison beginnt, wird es auch wieder Anpassungen an meiner ;-) mich stets begleitenden virtuellen Tabelle geben. Ich weiß nicht, ob es an meiner eher geringen Affinität zu diesem Sport liegt, zumindest ist das eines der Projekte, bei dem immer wieder wie ein Häschen aus dem Hut ein neues Problem auftaucht, oder einfach nur eine neue Anforderung entsteht, und ich mich über mich selbst amüsiere, wie arg ich mich von einem solchen Projekt verfolgt fühle…

Wie gesagt, Spektakuläres passiert hier gerade nicht. Am Samstag habe ich Yves getroffen. Ein 1,95 Meter großer Mann aus Haiti. Ihn hatte ich neulich bereits getroffen. Er selbst ist vor 4 Monaten hier her gezogen, ihm geht San Francisco vor allem mit dem Homo-Getto ziemlich auf den Nerv, von daher fühlte er sich berufen, mir Berkeley zu zeigen. Berkeley liegt nördlich von Oakland auf der andere Seite der Bay. Und es ist schon peinlich, bin jetzt 7 ½ Monate hier, und habe es bis auf den IKEA-Besuch nicht geschafft, die Orte in der Umgebung anzusehen. Berkeley ist ganz nett, noch viel studentischer als San Francisco, da hier auch die University of California ist – kurz Cal genannt.

Auf der Telegraph Avenue, hatte ich schon mal irgendwo gelesen, sind von daher jede Menge Kneipen, Second-Hand-Stores, Tattoo-Läden, ein wenig wie Camdon-Town in London – zumindest vom Flair. Wie gesagt, Berkeley ist ganz nett, und ich möchte dort ebenso gerne leben wie in Remscheid, doch eher unspektakulär.

Yves selber ist ganz witzig. Trifft man Leute zum zweiten Mal, sind die Gespräche anders als das „Wo kommst du her, was machst Du, wie lange bist Du schon hier…“. Er zeigt mir ein paar seiner Foto-Alben, und ich bin echt platt, wo er schon überall war, und wie viele Menschen er kennt. Er kennt selbst Leute aus Wernigerode, wo auch ich erst mal gucken muss, wo das überhaupt ist. Na, und es ist witzig, wie er diesen Ortsnamen mit amerikanisch-französischem Akzent ausspricht, als Haitianer ist eine seiner Muttersprachen französisch. Seit Motto ist, keine Zeit zu verplempern, arbeitet als Social-Worker, sein Job ist es, Obdachlose zu einer Unterkunft zu verhelfen, nun denn, dann wird er hier leider nicht so schnell arbeitslos :-( Und fühlt sich zu Höherem berufen, gerade Obama als Präsident beflügelt ihn, dass er als Schwarzer doch auch was in der Welt bewegen kann. Und wenn Hollywood anrufen würde, würde er auch auf die Leinwand gehen, soviel zu seiner Zielstrebigkeit ;-). Aber ich will nicht lästern, vielleicht verstehe ich mich mit ihm deswegen auch ganz gut, da wir ähnlich immer auch ein Stück auf der Suche sind.

Am Sonntag habe ich mein erstes Piano-Konzert gesehen. Pascal Roge – noch nie gehört, und auch eher so als Zugucker in einer fremden Welt. Ich habe das Konzert schon genossen, doch ich könnte nicht sagen, ob der jetzt schlecht, mittelmäßig oder geniös war, es waren aber zwei unterhaltesame Stunden, und die Musik hat dazu inspiriert, den Gedanken einfach feien Lauf zu lassen.

Zu dem Konzert gekommen bin ich über Joseph – ebenfalls ein schwarzer Mann. Schreibt mit Leidenschaft, tanzt mit Leidenschaft, und ist ebenfalls Sozialarbeiter. Die Karten für das Konzert hat er über seine Arbeit bekommen, er arbeitet in einer betreuten Wohneinrichtung, und eigentlich sollen die Bewohner diese nehmen. Die haben wohl aber keinen Bock, und damit das Sponsoring nicht beendet wird, lädt Joseph regelmäßig Freunde ein, um die Karten nicht verfallen lassen zu müssen. Joseph gehört auch zu der Sorte Amerikaner, die nicht blind sind für den Rest der Welt. Diese gibt es hier ohne Frage, aber er war auch schon in Deutschland, und leidet wirklich ein wenig mit, als er von dem Erdbeben in Italien hört. Und auch am Sonntag, ein richtig schöner Tag mit Sonnenbrandt-Potential, tauchen Worte wie „Global Warming“ auf. Er hat einen engen Bezug zur Natur, aber auch zu verschiedenen Künsten. Eine sehr gelassene Person.

Nun denn, so streichen die Tage eben vor sich hin. Schau ich zurück, merke ich schon, dass das ein Stück Alltag geworden ist, einfach fremde Leute anzumailen, sich zu verabreden und ein paar Dinge mit einander zu unternehmen und eine gute Zeit zu haben. Morgen fahre ich nach Pao Alto zu Andrew, den ich im Herbst schon getroffen habe, am Samstag kommt Kiran aus San Jose, um gemeinsam ins Wissenschaftsmuseum zu gehen. Und vielleicht gibt’s von Joseph Karten für ein Ballett, na, hab ich zumindest auch noch nie gesehen.

Hört sich doch gut an, oder? Ist auch ganz schön. Das Treffen der unterschiedlichen Leute gehört sicher zu den Erfahrungen, die ich selber als starke Horizonterweiterung erlebe. Nicht, dass es in Deutschland keine Ausländer gibt – ähm, das Wort gibt’s irgendwie nur in Deutschland – na, auch dort kenne ich Leute aus den Niederlanden, aus England, der Türkei und auch aus Bayern ;-) , aber hier ist der Radius eben noch n Tick größer, und bei jeder Begegnung lernt man wieder was neues, ein kleines Stück von der Welt mehr…

Soweit, so gut. Heute steht noch das Computer-Retten von Karl-Heinz auf dem Programm. Das ist hier auch nicht anders, wenn man was mit Computern macht, kann man auch alles, was man da so machen kann – glaubt zumindest der Nicht-Fachmann. Nun denn, für den Virenscanner zu aktualisieren und die Defragmentierung anzuschmeißen wird es wohl reichen. Und nebenher gibt’s eben n Glas Wein, das ist auch nicht verkehrt…

Ach so - die ersten drei Fotos sind aus Berkeley, die letzten drei vom Wochenende davor - da habe ich Enrico, auch ein Greencard-Gewinner, getroffen und waren ein wenig auf Sightseeing-Tour... Manche Begegnungen verblassen dann auch ganz schnell, obwohl auch das ein ganz schöner Tag war!

In diesem Sinne, bis die Tage!