Wieviel Blog braucht der Mensch?

Dienstag, 29. Juli 2008
Herzlich willkommen zu meinem Amerika-Blog!

Bevor Ihr Euch auf meinen Blog st├╝rzt, muss ich noch ein paar Gedanken los werden.

Die Frage ist ja stets, was hat das eigentlich mit den Blogs auf sich. Muss man sich im Web so halb nackig machen, und seine privaten Erlebnisse der Welt Kund tun? Ist das nicht das Oliver-Gei├čen oder Ilona-Christen-Ged├Âns im Internet? Macht man sich damit nicht eher l├Ącherlich? Oder gibt vor allem Datengr├Ąbern die M├Âglichkeiten, ein vermeintliches virtuelles Profil von der eigenen Person zu erstellen?

Und ist es nicht auch wie damals die Rubrik im Stadtanzeiger "Unverlangt eingesandt" (die ich immer frei ├╝bersetzt habe mit: "Dinge, die keiner wissen will..."). Was ma├če ich mir eigentlich an, um so einen kleinen Abschnitt in meinem Leben einen so gro├čen Wirbel zu machen. Man muss ja die Kirche mal im Dorf lassen - im Zeitalter vom WWW sitze ich direkt nebenan, und es bleibt und sind ja erst mal nur f├╝nf Monate. Andere Menschen bauen H├Ąuser und bekommen Kinder, und bloggen auch nicht sofort los. Und bin nun wirklich nicht der einzige der Mal l├Ąnger als 2 Wochen nach weiter als nach Malle f├Ąhrt (nichts gegen Mallorca, da ist es richtig sch├Ân!)...

Nun denn - oder wie man hier sagt - whatever - das sind die einzigen Gedanken, die ich nur gesagt haben wollte. Mit macht es Spa├č zu schreiben (ich glaube, ich schreibe viel lieber als zu lesen ;-) ), ich halte f├╝r mich ein paar Erinnerungen fest, und wenn f├╝r Euch dann noch ein kleiner Zeitvertreib dabei raus kommt, freu ich mich!

PS: In diese Blog kann man nicht nur lesen, sonder auch selber Kommentare hinterlassen, freue mich ├╝ber jeden Eintrag!

Endlich: Amerika, ich komme!!!

Montag, 28. Juli 2008
Mein Wecker klingelt um 6:00 - werde wach. Mein erster Gedanke "Auch Du Schreck - was machst Du hier?" In der Tat mit einem starken Gef├╝hl der Panik. Genauso schnell, wie der Gedanke da ist, ist er aber auch wieder weg.

Duschen, den Kopf noch kahl scheren, Kaffee kochen, Handgep├Ąck ordentlich packen - und alles im Zeitplan - um kurz vor 7 bin ich fertig. Sitze auf dem Balkon meines damaligen Zimmers in der WG hier mit Christiane, trinke in Ruhe noch einen Kaffee - das Gef├╝hl, dass ich hier mal gewohnt habe, ist so gut wie weg. Es ist einfach lange her, und es war auch nur ein Jahr - klar - einzelne Situationen kann man sich immer ins Ged├Ąchtnis holen, doch der Bezug zum Zimmer ist nicht mehr da.

Tippe noch ein paar SMS an Leute, die abgesagt hatten, oder die mir noch mal kurz das Beste f├╝r die Reise w├╝nschen... Christiane taucht langsam aus ihrem Zimmer auf und Thomas - mein Mich-Zum-Flughafen-Bringer - ruft bereits an, meldet sich mit den Worten "Das Auto springt nicht an"... Keine Chance, obwohl ich sonst immer alles glaube, auf diesen b├Âse Neckerei falle ich nicht rein, daf├╝r kenne ich Thomas nun wirklich zu lange. Wir beladen 5 Minuten sp├Ąter den Kangoo - Birgit und Heinrich sind auch da - und los geht!

Halte kurz sp├Ąter eine Postkarte in der Hand, einer dieser kostenlosen, mit dem Schriftzug 'schvermissdisch, durch ein mit Edding erweitertes jetzt schon!, Lolli auf der R├╝ckseite - wie sch├Ân! Es ist sehr sch├Ân, wenn so viele um einen herum in Gendanken bei einem sind. Birgit fragt dann noch, ob ich ein W├Ârterbuch h├Ątte, mein Nein wurde dann direkt mit einem Langenscheid-Taschenw├Ârterbuch Amerikanisch Englisch - Deutsch begegnet. Und nach wie vor war ich sehr gelassen.

Am Flughafen angekommen, Thomas und Birgit kamen mit rein. Koffer abgegeben. Die Sicherheitsma├čnahmen sind in der Tat sehr greifbar, noch in der Schlange zum Counter kam die erste Befragung, ob man den Koffer selber gepackt h├Ątte (klar, und Du wei├čt gar nicht, wie anstrengend der Tag drum herum war), ob man von Fremden was zu gesteckt bekommen h├Ątte (man, frag doch nicht so bl├Âd ;-) , das lernt man doch als kleines Kind, das man das nicht darf), und so weiter... Aber die Frau war schon super nett und machte Ihren Job einfach nur gr├╝ndlich. Koffer abgewogen - 25kg - meine Frage, ob das ein Problem sei, da nur 23 kg zul├Ąssig sind, wank der gute Mann am Counter ab. Schon mal Unterlagen f├╝r die Einreise in die Staaten bekommen, das war dann schon mal geregelt.

Mit Birgit und Thomas ging es dann - ├Ąhm - noch mal nach drau├čen, und gut vorbereitet, wie ich es sehr sch├Ątze, 3 Gl├Ąser und gek├╝hlter Sekt! Hurra - einen leckeren Schluck noch zum Abschied, aber nur einen kleinen - auch am Sonntag hatte ich kaum was getrunken - weder wollte ich meinen Sitznachbarn mit einer Fahne bel├Ąstigen, wollte keinen verkaterten Flug haben, und wollte keine dummen Fragen am Zoll. Da es jetzt in der Tat immer noch fast zwei Stunden bis zum Abflug waren, hab ich die beiden zum Auto gebracht und mich verabschiedet. Ich bin selber ganz platt, dass ich auch hier sehr entspannt bin. Hab schon das Gef├╝hl, dass ich weg fliege, aber es f├╝hlt sich an wie zwei Wochen Kanaren ... Winke noch mal, und bin jetzt alleine am Flughafen.

Durch den Check-In, und nun ist einfach nur warten angesagt. Im Wartebereich sieht man schon anhand der gro├čen Menge Schwarzer, dass dieser Flieger hier nicht nach M├╝nchen geht ;-). Treffen dann noch kurz Randy Hanson im Wartebereich - ich kannte ihn nicht, aber er hat wohl gerade in Deutschland getourt, und ist ein guter Freund meiner Nachbarn in der Br├╝sseler Stra├če, hat dort auch die letzten drei Wochen in der K├╝che gewohnt. Von meinen Nachbarn wusste ich auch nur, dass der Mann im selben Flieger sa├č, von daher hatte ich mich ein wenig umgeguckt, und anhand der Gitarre war er auch gut zu erkenne! Er erz├Ąhlt mir, dass er auch eine Weile bei einem Freund in Much gewohnt hat, und bezeichnete ihn als "the most boring place he ever was" - es h├Ątte nur ein Fernseh-Kanal gegeben! Und merkte in vielen Nebens├Ątzen an, dass der mit Jimi Hendrix und Janis Joplin zusammen Musik gemacht hat, und dass Jo, mein Nachbar, auch ganz eng dort involviert war. Wie klein die Welt doch ist, und wie witzig, das wohnt man T├╝r an T├╝r, und hat kaum eine Ahnung, welche K├Âpfe dort leben!

Endlich - der Flug geht los!

Flieger hebt um 10:43 Richtung Osten ab, dreht um in die richtige Flugrichtung zu kommen einen Bogen, Kehrtwendung laut Info-Screen irgendwo zwischen Bergisch Gladbach und Gummersbach, also noch mal Wipperf├╝rth von oben winken ;-). Die Continental scheint seit 40 Jahren Einstellungsstopp zu haben, was zumindest die Altersstruktur der Stewardessen auszudr├╝cken scheint. Wirken alle wie Ladys eines Diners, eines Drugstore oder einem Charity-Verein f├╝r hilfebed├╝rftige Hamster... Eine mit schwarzen Ledersandalen hat dann auch den Charme einer Ordensschwester, wie sie in Filmen der 60er Jahre dargestellt wurden. Die anderen aber sehr charming, es werden die Erdn├╝sse auch schon mal ├╝ber drei Sitzreihen hinweg geworfen, und das mit einem "Yeah" bejubelt. Mittag Essen ├╝ber Manchester, irgendwann gegen 13:30 kommt Reykjav├şk in die Umgebung, die Route war mir gar nicht so klar... Obwohl der Flug ├╝ber 8 Stunden dauerte, verging die Zeit recht z├╝gig. Mit einem Video-OnDemand war das Unterhaltungsprogramm frei w├Ąhlbar. Eine neue Folge von Dr. House, eigentlich meine aktuelle Lieblingsserie, die es noch nicht in Deutschland gibt, da eine v├Âllig neue Staffel, und schon mal alles auf English, und mit Originalstimmen - Amerika kommt in jedem kleinen Detail n├Ąher!

Landeanflug in New York dann gegen 18:30 - fast 45 Minuten fr├╝her als geplant, so fr├╝h, das der Flieger dann 10 Minuten auf einen freien Ausstiegsplatz warten muss. Von oben habe ich nicht viel gesehen - nur von weitem eine hohes Geb├Ąude, dass ich f├╝r das Empire State Building halte.

Ausgestiegen, und ab zu Visa-Kontrolle, was an der Stelle auch die "Imigration" bedeutet, sprich, jetzt aktiviere ich meine Greencard, ab jetzt wird es dann alles richtig offiziell!!! Dem ersten Ordner, der lediglich die Zuweisung der richtigen Warteschlange vornimmt, zeige ich den Visa-Aufkleber meinen Reisepass entgegen - habe zwar mehrfach im Forum gelesen, an welchen Counter ich muss, wusste aber, dass ich mir das auch nicht merken kann.

Immigration in New York

Stehe in einer Schlange, und bin mir sicher, dass ich hier falsch bin, denke aber auch, es stehen nur zwei M├Ądels vor mir, und die ganze Halle ist recht lehr, dass ich auch 10 Minuten falsches Anstehen verkraften kann. Bin an der Reihe, der Mann selber wei├č zwar sofort, dass ich eine "Permanent Resident Card" habe, so die offizielle Bezeichnung der Greencard. Scheint aber die genaue Abwicklung nicht genau zu kennen - hinter ihm steht allerdings ein Officer, noch recht jung, der sich scheinbar richtig gut auskennt, und ├╝bernimmt ferngesteuert die Verwaltungsschritte. Schon der Hammer, selbst die Officer hier in der Einreisehalle ist behangen mit Knarre, Schlagstock und diversem anderem Kram. Die sind abends auch 10 Kilo leichter, wenn Sie den G├╝rtel abnehmen.

Die ersten Schritte sind getan, werde von dem erfahrenen Officer an die Hand genommen und aus der gro├čen Halle in einen Hinterraum gef├╝hrt. Schon besonders, aber auch schon merkw├╝rdig, etwas be├Ąngstigend. Hier nimmt ein anderer Officer meine Unterlagen entgegen, die, welche ich aus Frankfurt in einem versiegeltem Umschlag bekommen habe, und der nicht besch├Ądigt sein durfte. Da der schon auch verknickt war, hatte ich die Bef├╝rchtung, dass es hier zumindest eine kritische Nachfrage kam. Aber nichts, er riss den Umschlag auf, und wickelte ab. Eine ├Ąltere Dame kommt vorbei, um zu fragen, wer mit der Continental gekommen ist - da hier die Abwicklung etwas mehr Zeit br├Ąuchte, w├╝rde sich jemand um meine Koffer k├╝mmern (wahrscheinlich dass der nicht als Gefahr f├╝rs Land gesehen wird, wenn er mehr als 10 Runden auf dem Laufband dreht).

Der Schalter in diesem Raum, der f├╝nf oder sechs Arbeitspl├Ątze hatte, war so hoch gebaut, dass man keine Chance hatte, auf die Arbeitsfl├Ąche zu schauen, man schaute wie ein kleines Kind einfach nur hoch. Der Officer kam um den Tisch herum, nahm mir Fingerabdr├╝cke - an dieser Stelle in der Tat mit schwarzer Tinte, und zweimal meine Unterschrift. Noch kurz die Adress-├änderungen f├╝r die Zusendung der Security-Card, frage noch nach, ob sie keinen Namen brauche, bei dem ich gemeldet sein werde, aber das scheint nicht n├Âtig - na, bin mal gespannt, ob das jetzt richtig ankommt. Wobei ich einfach Gottvertrauen habe - bislang sind im Zusammenhang mit der Greencard alle Dinge richtig gelaufen, auch wenn ich zeitweise verwundert war, wie das ging.

So, weiter zum Kofferband, das K├╝mmern-um-den-Koffer bestand lediglich daraus, dass der Koffer vom Band geschmissen war. Auch wenn das Gep├Ąck bis San Francisco durch gebucht ist, muss man am Zoll selber das Gep├Ąck weiter leiten. Durch die R├Ântgen-Kontrolle, und bin einfach nur froh, dass mein Gep├Ąck kein Anlass zum ├Âffnen bietet, denn die Officer, denen beim Durchw├╝hlen anderer Koffer zusieht, nehmen scheinbar alles auseinander.

Komme in der n├Ąchsten Halle an, ein junger Schwarzer fragt mich, wohin ich weiter fliegen w├╝rde, ich sage "San Francisco", er fragt Flug Nummer h├Ą h├Ą h├Ą, ich hab keine Ahnung, aber er meint, das w├Ąre wahrscheinlich schon richtig, dr├╝cke einem anderen meinen Koffer in die Hand - sieht auch eher aus sie wie ein Stra├čen-Kid... lerne gerade, nicht zu kritisch zu sein ;-).

Bis ich dann am Check-In meines Terminals bin, lege ich ziemlich weite und verwinkelte Stecken zur├╝ck, und es ist so richtig busy hier, und ich denke nur - wie froh bin ich, wieder hier weg zu sein und dass ich mich nicht f├╝r New York entschieden habe. Nach dem Check-In werde ich allerdings nicht einfach nur durch gewunken, sondern mein Handgep├Ąck wird noch unter die Lupe genommen - mit irgendeinem Spezial-Ger├Ąt, das an ein Stabmixer erinnert, an den ein L├Ąppchen gebunden wird. Aber nat├╝rlich auch hier ohne Erfolg. Bin durch den Schalter, und erwartungsgem├Ą├č sind es jetzt noch ├╝ber zwei Stunden bis zum Weiterflug, also, die komplette Immigration war doch ziemlich schnell abgewickelt!

Versuche, ein freies WC zu finden, und irgendwie ist hier sooo viel Betrieb, dass man ├╝berall ewig anstehen muss. Nach der 5. WC-Einheit, die ich finde, nehme ich mir die Zeit zu warten, nach ├╝ber 10 Minuten wird dann auch was frei - mit der kompletten Gesch├Ąft vom Vorg├Ąnger, sodass ich mir einfach nur alles verkneife, und mich in meine Wartezone begebe. Kurz vor Abflug wird dann noch ein Angebot von Continental gemacht, wer am n├Ąchsten Morgen fliegen w├╝rde, bek├Ąme einen Gutschein ├╝ber 500$, der Flieger schien ├╝berbucht zu sein.

Weiterflug nach San Francisco

Endlich wieder im Flieger - der war nun wesentlich weniger komfortabel als der von K├Âln nach New York. Die Uhr hatte ich derweil umgestellt, der Flieger ging um 16:30, was nun der deutschen Zeit von 22:30 entsprach. Sa├č nun am Fenster, von New York hab ich dann vor allem Wohngebiete gesehen - und Highways - die unterschieden sich in der Tat von deutschen Autobahnen - 5 oder 6 Spuren pro Seite schienen die zu haben. Auf dem weiteren Flug, im nach hinein betrachtet, muss ich auch gut weg genickt sein.

Irgendwann sah man dann von oben nur noch quadratische Einteilungen der Landschaft, wie hier: Amerika von oben. Und erinnert dann sehr an amerikanische Filme, die irgendwo im Landesinneren spielten, und vor allem die bedr├╝ckende Weitl├Ąufigkeit des Landes darstellen. Sp├Ąter kamen dann in den Quadraten Kreise dazu: Kreise in Quatraten, und ich fragte mich, warum man nur Kreise bewirtschaftet und nicht die ganze Fl├Ąche, vielleicht wegen Bew├Ąsserungsanlagen, aber was wei├č ich, bin auch sehr m├╝de. Dann wurde die Sicht wieder schlechter, Wolken zogen auf, und kamen in der Tat auf die H├Âhe des Flugzeuges, das in 11,5 km H├Âhe flog. Ich erkl├Ąrte mir das damit, dass nun irgendwo die Rocky Mountains da unten sein werden - welche f├╝r die hohen Wolken verantwortlich sind, und in der Tat - als sich die Wolken wieder auftaten, konnte man auch den Grand Canyon sehen - oder zumindest seine Ausl├Ąufer. Also, richtig weit konnte es nicht mehr sein.

Als dann der Landeanflug kam, sah man sehr viel Wasser, und irgendwann dann nur noch viele Wolken. Die hingen dann bis sch├Ątzungsweise 100 Meter ├╝ber Meeresspiegel, hatte vorher noch in einem Buch gelesen, man solle sich die Ankunft besonders merken, da es immer was ganz besonderes sei - na, hier war es eher ein tristes Flughafengeb├Ąude, und das Wetter wie letztes Jahr im Februar, als im Morgengrauen in Z├╝rich gelandet bin. Besonders oder Sonnenstaat sind hier nicht die Worte, die einem einfallen.

Steige aus, versuche mich zu orientieren, wei├č vom Kopf, wo ich bin, kann das aber nicht realisieren. Kommt mir wirklich vor wie ein verregneter Flugharen irgendwo in Skandinavien. Das was mir nur richtig gut tut, dass hier alles recht entspannt ist die Menge der Leute ist ├╝berschaubar, und das erdr├╝ckend-gesch├Ąftige von New York gab es hier nicht.

Bin zum Gep├Ąckband, wei├č nicht, ob die Beschilderung Kacke war, oder ob ich irgendwas nicht gesehen habe - aber egal, irgendwann stand ich am richtigen Band, und da es ein Innlandflug war, war der Bereich auch f├╝r die ├ľffentlichkeit zug├Ąnglich, und Robert (Dr. Bob) stand am anderen Ende es Bands. Das tut gut, wenn da jemand steht, der einem jetzt die Notwendigkeit der Orientierung abnimmt. Wirklich super freundlicher Mann. Wir fahren nach Hause, und die ersten Eindr├╝cke der Stadt kommen mir entgegen. Was in der Tat beeindrucken ist, sind die Highways - richtig viele Spuren! Das Wetter ist schlecht, die ganze Stadt h├Ąngt im Nebel, Bob erz├Ąhlt noch, dass gerade eigentlich hier Winterzeit ist. Im Hochsommer ist es im Landesinneren so hei├č, dass es die Luft von der K├╝ste ins Land zieht, was dazu f├╝hrt, das San Francisco immer im kalten Wind liegt, obwohl es Sommer ist, und die Stadt liegt dann einfach nur oft im Nebel. Mit egal, bin ja l├Ąnger hier, aber f├╝r Matthias, der ab Dienstag f├╝r 2 1/2 Wochen zum Urlaub machen kommt, ist es vielleicht bl├Âd.

Ankunft in San Francisco

Die Fahrt in die Stadt ist wirklich spannend. Neben dem angeregten Gespr├Ąch mit Bob kommen wir in die ersten Wohngebiete - die H├Ąuser sind wesentlich kleiner, als ich mir sie vorgestellt hatte, bzw. wie ich sie ├╝ber GoogleMaps angesehen hatte, aber sehr h├╝bsch. ├ťber Wuppertal sagt man schon mal, aufgrund der h├╝geligen Stadt, es sei das San Francisco des Bergischen Landes - und gerade mit dem nebeligen Wetter ist der Vergleich schon sehr gut! Na ja, die Bebauung unterscheidet sich dann doch ;-).

Wir sind angekommen: Bobs Haus, und Bob zeigt mir sein Haus, stellt mich seinem Freund vor, zeigt mir, wo ich schlafen werde, und schl├Ągt vor, noch eine Runde um den Block zu gehen. Er wohnt so gut wie mitten im Castro, und wir haben es gerade 2 Minuten bis zur Castro-Stra├če. Wir schlendern die Stra├če auf und ab, werfen noch eine Blick hier und dort rein, er zeigt mir kurz das Kino - hier ist gerade j├╝disches Filmfestival, es ist gerade Einlass, und wir haben die Chance, einen Blick in den Kino-Saal zu werden - Hammer - richtig alt, und ich freue mich schon darauf, hier ins Kino zu gehen!

Hier ist wieder drei Stunden Zeitversatz, es ist nun 21.00 - f├╝r mich ist es 6 Uhr am morgen, aber da es einfach der Hammer ist, jetzt hier mitten drin zu stehen, und zu denken, hier werde ich eine Weile wohnen, beeindruckt mich dann schon sehr. Kann es nicht ganz glauben - ich f├╝hle mich nicht wie am anderen Ende der Welt, weil es ist wie in London, Amsterdam oder Sydney, aber doch anders...

Kurz sp├Ąter bekommt Bob einen Anruf, und darauf hin gehen wir die Castro-Stra├če in Richtung Norden eher in einen ruhigeren Teil der Stra├če. Wir besuchen Nikolai und Laurence, die in einem dieser viktorianischen H├Ąuser wohnen. Bin mir gar nicht klar, war wir hier wollen, es zeigt sich, dass die beiden zwei bzw. drei Zimmer zur Vermietung haben - teurer, wie ich mir vorgestellt habe. Ein G├Ąstezimmer mit einem eigenem Bad, das f├╝r den ├ťbergang OK w├Ąre, eine Zimmer im Keller, das unm├Âbliert ist, und von daher nicht in Frage kommt, und dann ein Giebel-Zimmer - mit kompletter Fensterfront mit Blick ├╝ber die komplette Stadt. Das will ich haben!!! Ist zwar wesentlich gr├Â├čer das G├Ąstezimmer, soll aber nur das gleiche kosten - weil hier die Dusche als auch das WC nicht abgetrennt ist - aber was sollÔÇśs, ich lege ohnehin nicht einen sonderlich hohen Wert auf eine komfortable Ausstattung, und wenn ich dort alleine wohne, spielt das auch keine Rolle!

Wir plaudern noch eine Weile miteinander, und es ist echt nett - wir gehen nach Hause, ich soll noch eine Nacht dr├╝ber nach denken. Zu Hause angekommen bereitet Bob mir mein Bett, und l├Ąsst sich auch nicht helfen - liege um 22:30 im Bett (f├╝r mich 7:30 am morgen) im Bett, denke, wie geil, bekomme genau, wie beim wachwerden an diesem Tag einen ganz kurzen Anflug von Panik, der ist aber sofort wieder weg, und ich schlafe auch sofort ein.

Was ein Tag.

Wer es bis hier her geschafft hat, bitte ich die L├Ąnge des Eintrags zu entschuldigen - aber es ist schon ein besonderer - und immerhin hatte der Tag ja auch 31 Stunden! San Francisco kann jetzt kommen ÔÇô und ich kann mir die Zeit hier richtig gut vorstellen, nein ich freu mich richtig!

Abschiedsparty im Blauen K├Ânig

Sonntag, 27. Juli 2008
...es gibt viele Bilder - in K├╝rze stell ich die mal ins Netz, sind n├Ąmlich wirklich nett...

Wer zwischenzeitlich Hunger hat: www.blauerkoenig.de.

Sch├Âner runder Abschied - Samstags Abends noch mit Corinna, Gaby, Birgit und Eisi im Thaihaus gewesen, danach in den Pegel K├Âln.

Die Party am Sonntag im Blauen K├Ânig war dann einfach rund, gutes Wetter, zumindest bis abends, gute Stimmung, easy going und alles ganz entspannt... So geht man gern ;-)

Abschied im Bergischen

Samstag, 26. Juli 2008
Im ganzen Abschiedsmarathon ist der Samstag der Tag, vor dem ich ehrlicher Weise die meiste Angst hatte. Nicht, dass ich Dramen erwartete, aber so ganz geschmeidig wird das nicht.

Gutes Mittag Essen mit der Familie in der Dorfsch├Ąnke in Agathaberg. Wird derweil von einem Mann betreiben, mit dem ich die Grundschulbank dr├╝ckte.

Danach zu meinen Eltern. Auto ausger├Ąumt, und dann - ich war gerade einen Moment alleine auf dem Dachboden, vor dem ganzen Kram, der hier bereits zwischen gelagert ist (zu Recht die Frage meiner Ma, ob sich der Aufwand f├╝r f├╝nf Monate lohnt?!?), der Klo├č im Hals wurde dick, und es war kurz davor, dass mir die Tr├Ąnen in die Augen schossen... Hammer, da hatÔÇśs mich... Bin ja nun kein kleines Kind mehr, aber auch mit bald 40 ist die Bindung sehr eng, und wenn mir irgendwas richtig schwer f├Ąllt bei meinen Auslandspl├Ąnen, dann ist es in der Tat, f├╝nf Monate nicht nach Scherkenbach zu kommen.

Hab mich wieder gefangen, konnte also weiter das Auto aus laden, merkte aber schon, dass ich st├Ąndig sehr nahe daran war, wieder den Klo├č im Hals zu sp├╝ren.

Kuchen gegessen, Kaffee getrunken, was eben bei einem Besuch bei Eltern dazu geh├Ârt. Und neben allgemeinen Unterhaltungen denkt Vater gerade offen dar├╝ber nach, das Haus zu verkaufen - nicht, dass ich glaube, dass er es je tut - k├Ânnte mir es auch nie vorstellen, ihn in einer modernen 3-Zimmer-senionrengerechten Wohnung irgendwo in der Stadt zu sehen, wo er doch ├╝ber 70 Jahre seines Lebens auf dem Bauernhof gelebt hat. Aber man merkt, dass die Ver├Ąnderungen, der Auszug meines Bruders als auch mein Aufenthalt in Amerika in bewegen, es l├Âst auch Ver├Ąnderungen bei ihm aus, und ich finde es irgendwie auch gut, dass er sich gedanklich auf andere Situationen einstellt - zeigt es doch, dass er innerlich beweglich ist und es ihm auch gut geht.

Mein Abschied ist dann eher unspektakul├Ąr - gebe meinem Vater die Hand, winke dem Rest der Familie mit dem Worten "bis morgen dann" zu und gehe alleine aus dem Wohnzimmer. Sonst begleiten mich die Eltern immer bis vor die Haust├╝r und dort gibtÔÇÖs noch einen letzten Austausch. Jetzt bleiben sie sitzen, was sicher daran liegt, dass meine Schwester mit Sarah und Leon zu Besuch sind, und dann die Regeln anders sind.

Ich steige ins Auto, fahre los, hupe noch mal, und sehe im R├╝ckspiegel dann doch meinen Vater vor der Haust├╝r stehen, der noch mal winkt, er wartet einen Moment, dreht sich um und geht wieder ins Haus... Kann mir das Tr├Ąnchen jetzt nicht verkneifen, ist auch nicht schlimm, aber das Bild war einfach sch├Ân und sp├╝re die tiefe Verbundenheit. Habe das Bild tief in mir gespeichert.

Kofferpacken ultra

Freitag, 25. Juli 2008
ÔÇŽich schreibe gerade etwas mit Verzug, hab das Gef├╝hl, dass es zwar erst f├╝nf Tage her ist, f├╝hlt sich aber schon viel l├Ąnger an...

Donnerstag und Freitag waren f├╝r Koffer packen und Wohnung-klar-schiff-machen geplant - eigentlich hatte ich die ganze Woche vorgesehen, doch die Arbeit forderte Ihren Tribut. Den Koffer wollte ich am Donnerstag packen. Habe mittags noch die ├ťbergabeliste f├╝r die Wohnung gemacht (nur so grob, und habe nicht wirklich viele Dinge - und dann auf die Schnelle ins Englische ├╝bersetzt, da Emilene so gut wie kein deutsch spricht). Ach ja, noch eine Stunde mit Hellbusch telefoniert, um ein paar gemeinsame Arbeitsschritte durchzusprechen, f├╝r PuckPresse noch einen erneuten Export angesto├čen (ach, danke noch mal an PuckPresse f├╝r die Pizza und das 4711 ;-) zu meinem Abschied - und das fast gewonnene Kickerspiel zum Schluss), zwei Maschinen W├Ąsche gewaschen. Dann kam um 17:45 Emilene etwas verst├Ątet zur Wohnungs├╝bergabe, die ├ťbergabe dann abgerockt. Anschlie├čend endlich nach M├╝hlheim ins Jakobowski gefahren, um dort mit Sacha und Natascha schon mal vorgezogenen Abschied zu feiern, da sie am Sonntag nicht da sein werden. Die ├╝blichen Verd├Ąchtigen dieser England-Reise-Runde d├╝rfen da nat├╝rlich auch nicht fehlen, Angelika, Uwe und Veit. Mein Koffer war immer noch leer.

Der Abschiedsmarathon geht weiter - am├╝sant war es, nachts beim Absacker in irgendeiner Eckkneipe in M├╝hlheim rivalisierende Damen um die Herren der Gastronomie zu sehen. Man konnte jetzt nicht genau erahnen, ob sie Geld f├╝r Ihre Dienste nahmen oder nicht, aber es war auf jeden Fall eine ganz andere Seite von K├Âln. Und als eine der Damen, die Ihren schwarzwei├č-gemusterten Baumwollstring, der fast bis und die Achseln gezogen war, laut mitteilte, dass sie die Verantwortung f├╝r zwei Kinder h├Ątte, und sie auch stolz darauf w├Ąre, bekam man eher gro├če Sorge...

Extrem-Putzing am Freitag

Ist man nachts nach einem Absacker der Meinung, man muss jetzt noch ein bisschen sentimental werden, und noch auf ein K├Âlsch ins Schampanja springen, und nach dem man dieses gegen jeglichen Durst verk├Âstigt hat, dann der Meinung ist, fr├╝her ist man danach noch immer zu McDonalds gegangen, auch wenn es fast drei Uhr ist, wei├č man sp├Ątestens am n├Ąchsten Morgen, wenn der Putzengel um neun auf der Matte steht, dass das v├Âllig ├╝berfl├╝ssig ist.

Die Vorbereitungen gingen jetzt in die Endrunde - eben zu Bernd, der im Urlaub war, Blumen gegossen, und dann weiter mit Packen. Die Klammotten m├╝ssen jetzt entweder alle in den Koffer, in das rechte Drittel meines Kleiderschranks oder irgendwie ins Bergische. Ab 15:00 hatte ich einen Wagen von Cambio, sprich, vom Car-Sharing gebucht, den ich langsam beladen habe. Um 16:00 bin ich kurz zwecks Mittagessen zum Chinesen auf der Br├╝sseler, der in den letzten Jahren schon sehr zu meinem Favoriten geworden war. Ich kam etwas zur Ruhe und hatte zum ersten Mal das Gef├╝hl: So, jetzt gehtÔÇÖs langsam los. Das Gef├╝hl ist schwer zu beschreiben, f├╝hlte mich wie in Watte, wusste, dass das nun f├╝r das n├Ąchste halbe Jahr das letze Mal war, dass ich hier esse, und - mh - irgendwie schien das zwischen hier und dort zu sein. Es fing jetzt genau an... Hatte mich schon gewundert, irgendwann musste sich doch mal ein Gef├╝hl der Aufregung einstellen...

Bin danach nach M├╝hlheim gefahren, um Angelika meine wichtigsten Ordner zu bringen, gerade beim Gesch├Ąftskram, obwohl ich ja in der Tat das kleinste denkbare Unternehmen habe, muss ich auch aus der Entfernung ein Zugriff auf ein paar Unterlagen haben, falls der eine oder andere dann doch mal was m├Âchte.

Kurz vor 18:00 wieder daheim, und jetzt kam der Koffer dran, der eigentliche Plan des Tages. Das war zumindest das einfachste am Tag, hatte im Kopf schon lange entschieden, dass ich die Minimalversion mache. Sprich, ich nehme nur das notwendigste mit, der Rest wird dort gekauft, einerseits steht der Dollar-Kurs so gut, das man die Gelegenheit nutzen sollte, andererseits sind die Bestimmungen der Continental bez├╝glich des Gep├Ącks seit meiner Buchung ├Âfters ver├Ąndert worden, dass ich keine Gefahr laufen wollte, f├╝r eine zweites Gep├Ąckst├╝ck oder f├╝r ├ťbergep├Ąck richtig viel Geld hinzulegen.

Gl├╝cklicherweise geht mir das Kofferpacken gut von der Hand - merke doch, dass ich in den letzten Jahren doch regelm├Ą├čig unterwegs war, und keine Listen brauche, um alles zu haben, nach einer guten halben Stunde war der zumindest fertig und zu - und musste auch nur noch zweimal ├Âffnen, um was vergessenes nach zu legen.

Und dann kam einfach der Horror - so eine Wohnung hat dann doch eben sehr viel Kleinkram. An jeder Ecke eine Schale mit Stiften, Schrauben oder sonstigen Kleinteilen, die keine klare Zuordnung in der Wohnung gefunden hatten. Problematisch an irgendeinem Punkt, dass man diese Dinge weder gut verpacken kann, noch das Gef├╝hl hat, dass man, egal, wo man die jetzt hin packt, ohnehin nicht wieder findet, wenn ich dann irgendwann ein ganz spezielles Einzelteil suche. Nun denn, die Frage ist nicht, jetzt sch├Ân zu packen, sondern irgendwie schnell, denn um 21:00 erwartet mich Frau Karbach am Rhein mit einem Abschiedsk├Âlsch an der S├╝dbr├╝cke.

V├Âllig fertig und einfach nur m├╝de

21:00 war zumindest viel zu fr├╝h, bis dahin war noch lang nicht alles in Sack und Pack. Nachdem ich dann alles verstaut hatte, und ich mich entschieden hatte, am Samstag morgen noch mal in die Wohnung zu fahren, um den Rest ins Auto zu laden, ging es dann doch voran, um kurz nach 22:00 nach Ehrenfeld zu Christiane, bei der ich die Tage bis zu Abreise unterkommen konnte, um 23:00 dann an der Haust├╝r von Ute - und kurz sp├Ąter am Rhein. Habe im Nachhinein fest gestellt, dass ich kaum was vom Ihrer Mexico-Reise mit bekommen habe, thematisch war der Abend scheinbar auch hier auf Abschied und die Gedanken um Ver├Ąnderung geeicht.

Auf jeden Fall war ein Punkt von gro├čer Ersch├Âpfung erreicht. Vom Tagesablauf hatte ich zwar eher das Gef├╝hl, es sei gerade mal 10 am Abend, aber in der Tat war es irgendwann 1:30 in der Nacht, und der Weg mit dem Rad durch den sehr beeindruckenden Rheinauhafen ging nun nach Hause. K├Âln will mich scheinbar zum Abschied noch mal richtig ├Ąrgern - kurz hinterm Dom zeigte die Glasscherbe, oder was es immer war, die effektive Wirkung auf meinen Fahrradreifen - der war nu platt. Na ja, ist nicht das Schlimmste - sowas passiert halt nie in einem passenden Moment, ich fand pers├Ânlich den Augenblick aber extrem unpassend ;-) Rad nach Hause geschoben und ab ins Bett...