Ein ganz spezieller Abschied: Abrissparty Haus 16b

Dienstag, 22. Juli 2008
Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein - in diesem Fall aber in positiver Weise ;-)

Für viele, auch für mich selbst ist es nicht mehr so präsent - aber ich war nun ja nicht immer Web-Heini - bis zum 31. Lebensjahr arbeitete ich ja als Krankenpfleger in der Uniklinik.

Es ist derweil lange her, und das Gefühl, mich sofort wieder in den Kasack zu werfen und mich ans Krankenbett zu stellen oder Antibiotika zusammen mixen zu können ist langsam wirklich vorbei. Derweil müsste ich doch vieles wieder neu lernen. Aber durch den guten Kontakt zu Ludwig, Ute, Mirjam und andere alte Kollegen ist der Draht noch immer heiß, und das innere Gefühl, genau zu wissen, was eine Pflegekraft bewegt, und was diesen Beruf ausmacht, ist immer noch sehr tief drin...

Die Station Haus 16b war über 6 Jahre Stätte meines Wirkens. Die Arbeit mit HIV- und Krebskranken war sicher nicht trivial, aber sehr intensiv, vor allem da die Station über Jahre hinweg von hohen Idealen und einer patientenbezogenen Pflege geprägt war. Hier hatten auch alternative oder spirituelle Ansätze Platz, ohne natürlich die Schulmedizin zu übergehen, sondern sie zu ergänzen. Und vor allem - die Station lag in einem kleinem ausgelagertem Klinikgebäude, lediglich eine Bettenstation, hohe Zimmer, die meisten Zimmer mit Balkon, einfach ein schöner Ort. Hygienisch und logistisch betrachtet eher eine spezielle Anforderung, vom Gebäude und den Räumlichkeiten aber einfach was besonderes. Passte zu der Pflege, die dort stattfand.

Selbst zu Zeiten, als ich dort noch gearbeitet habe, war schon geplant, dass die Station irgendwann ins Bettenhaus ziehen wird. Na ja, die Mühlen mahlen langsam, aber jetzt war es soweit.

Vor zwei Wochen kam dann die Einladung zur "Haus 16 Abrissparty". Na, da musste ich hin. Gerade in meiner persönlichen Abschiedswelle passt das auch gut rein, zumal das eine gute Gelegenheit war, viele Gesichter noch mal auf einen Schlag zu sehen, die ich schon lange mal wieder sehen wollte, aber jeder wird es wohl kennen, wie das mit alten Bekannten ist.

Einfach lange her...

Ich war recht zeitig da, und es war einfach schön, die Leute von früher zu treffen - von Küchenfee bis zum Oberarzt viele alte Gesichter. Schon merkwürdig, den leer geräumten Aufenthaltsraum und das leere Stationszimmer zu sehen, aber eigentlich schon ein Ort von vielen, der heute keine sonderliche Bedeutung für mich hat. Und natürlich amüsant, dass sich vor dem Patientenaufzug der DJ aufgebaut hat, und im Flur ein nettes Buffet aufgestellt war. Ein großes Hallo mit den alten Kollegen, Fotos mit Ludwig auf der Arbeitsfläche sitzend (war im Arbeitsalltag einen fetten Anranzer eingebracht hätte). Einfach nett. Aber wirklich mit dem Gefühl, das ist echt Vergangenheit, und ich verfalle nicht in sentimentales Gedöns...

Irgendwann zu späterer Stunde, viele Gäste wären schon weg, die Musik war schon recht laut (eben Disco) habe ich es dann doch gemacht: Meinen letzten Rundgang durchs Haus 16b. Zimmer 103 (war irgendwann aus feuertechnischen Gründen in 121 umbenannt wurde). Hier lag Mirko, ein 22 jähriger Bluter, der mich nachts immer vom Tabletten stellen abgehalten hat, weil er einfach quatschen wollte, und der sich echt ums Leben betrogen vorkam, mit 12 Jahren an einer Blutkonserve infiziert, sich von seiner Rente ein Motorrad gekauft hatte, aber nie damit gefahren ist, da er einfach zu krank war, und der die letzte Woche vor seinem Tod sprachlos wurde.

Und so kamen mir in jedem Zimmer drei, vier oder mehr Gesichter in den Sinn, bei denen ich sofort Diagnose, Verlauf und Familiengeschichte erinnern konnte. Ich merkte zwar deutlich, dass derweil viele Namen aus dem Gedächtnis verschwunden sind, aber die Geschichten sind da - und wurden eben an dem Abend und auch jetzt beim Schreiben wieder sehr präsent!

Habe aber nicht lange ausgeharrt, eben wie zu Zeiten der Nachtdienste, manchmal hatte man Zeit für den Rundgang, manchmal musste man aber Gas geben, und ich war ja schließlich auf einer Party!

Na, und dann dachte ich, mach doch mal den Test, ob die gute Klingelanlage noch funktioniert - und sie ging - nicht zu hören, da die Musik zu laut war, aber zu sehen, die Lichtanzeige direkt vorm Stationszimmer leuchtete. Und binnen 10 Minuten brannte nicht in einem, sondern in fast allen Zimmer die Klingel - und nicht nur das, drückte man bei angeknipster Anwesenheitsleute noch mal die Klingel, wurde aus dem einfachen Leuten ein Blinken. So entwickelte sich in kurzer Zeit eine ganz individuelle Lightshow zur Abrissparty, über jedem Zimmer blinkten die Lämpchen rot und grün im Wechsel, und die zentrale Lichtleiste schien langsam zu versagen, da sie in ihrer ganzen Lebzeit eine solche Belastung noch nicht erlebt hat.

Es war sehr lustig, aber für mich war es wirklich weit weg. Für die Kollegen, die heute noch dort arbeiten, war es sicher extrem skurril - freitags Morgen noch Patienten betreuen, samstags Abend am selben Ort Party, wenn wundert es, dass irgendwann Kopfkissen auseinander gerissen wurden, und damit eine Schaumstoffschlacht statt fand.

Schöner Abschied, finde es schön, dass ich eingeladen war, im Stationszimmer gab noch einiges an Zettelchen und Beschriftungen, die noch aus meiner Zeit stammten - und das ist jetzt echt lange her - und irgendwann nachts plauderte ich dann noch mit Karen über gemeinsame Dienste, sie war damals Schülerin und hatte ein paar Situationen noch sehr präsent (glücklicher Weise positiv belegt ;-) ).

So, so komme ich doch ins schwelgen ;-) - Jetzt einmal Kehrtwendung - nächste Woche gehts nach Amerika, Blick wieder nach vorne. Aber der Blick nach hinten zeigt auch, dass es schon wirklich bewegende Dinge in meinem kleinen beschaulichen Leben gab.

Die Zeit verfliegt jetzt!

Noch zwei Tage für PuckPresse arbeiten, gestern war ich in Dortmund bei Jan Hellbusch, Danke für die Pizza, Donnerstag kommt dann Koffer packen, Freitag Wohnung her richten, Samstag ins Bergische, Sonntag Abschied feiern in Köln, und dann.... oh man, da ist jetzt echt nicht mehr lange. Ich bin super gespannt! Und so langsam kommt richtige Vorfreude auf!

Mitten im Abschiedsmarathon

Freitag, 18. Juli 2008


Wow - jetzt sind es nur noch 10 Tage...

Die letzte Zeit war schon super gefüllt - habe nur das Gefühl, dass ich irgendwie von Termin zu Termin renne, dass ich noch jede Menge erledigen muss, und dass in den jetzt noch restlichen Tagen kaum noch Zeit bleibt. Wobei das nicht stimmt. Viele Termine sind eben auch Verabredungen zum Essen, zum Bier trinken, oder sonst irgendwie gearteten von Vorverabschiedungen oder noch mal zusammen kommen... Oder langsam so richtigen Abschieden.

Letzen Freitag hab ich dann Muttertag im Juli gehabt. Mutter Heller hatte gesagt, dass sie Lust hat, einen Tag nach Köln zukommen - ohne konkretes Ziel, einfach nur etwas herum bummeln. Und es war ein echt runder (sowohl vom der Gelungenheits- als auch vom kulinarischen Seite). Nachdem es um 9 morgens noch richtig schüttete, dachte ich, es sei vorbei. Habe Mutter dann um 10:30 am Hauptbahnhof abgeholt, erst mal Kaffee trinken und Ciabatta frühstücken, im Harry's Kaffe auf der Breiten Straße - und der Himmel hat's noch mal richtig regnen lassen. Bei solch einem Wetter kann man dann eben nur Shoppen ;-).

Also rein zu Karstadt - ehrlich gesagt, nach 25 war ich glaube ich erstmal wieder in der Frauenetage eines Kaufhauses... Und Mutter Heller war hin und weg. Erst mal zwei T-Shirts - dann hab ich Stefan angerufen, und wie sich an der Kasse raus stellte, gab es diese Woche eine Rabatt-Aktion - also, Sachen zurück legen lassen, und weiter. Sie kam fast in einen Kaufrausch.

Danach wollte ich mit Ihr ins Sky-Beach-Kaffee, aber das Wetter hatte dazu geführt, dass hier die Türen verschlossen waren. Danach sind wir dann zum Rhein. Über die Deutzer Brücke in Richtung LVR-Tower: www.koelntriangle.de. Ich finde ja, bei Besuchern weiß ich oft nicht, wohin man gehen kann, um auch mal was Besonders zu machen. Der Turm, die Aussicht von der Plattform ist aber einfach gigantisch, und ich bin einfach gerne da oben. Und ihr hat es hoffentlich auch gefallen.

Im Anschluss dann ins Mongos - und die Uhrzeit, nachmittags gegen 15:00 ist für den Laden einfach sehr angenehm. Es ist recht leer, die Leute aus dem Service waren entspannt, und lecker finde ich es ohnehin. Und es war dann auch schön, wie entspannt und wie offen Mutter war.

Im Anschluss dann wieder auf die "richtige" Rheinseite, traditionell schon fast, zum Altermarkt zur Eisdiele, nicht, dass wir Hunger gehabt hätten, aber das gehört einfach dazu. Und dann war schon 17:30, und langsamer Aufbruch angesagt.

Echt ein schöner entspannter Tag - wie ich oben sagte, nicht jeder Termin ist dann von Stress geprägt, aber das war mir wichtig, mir den Tag mir ihr einfach zu gönnen.

Abends dann mit Thomas und Marcus ins Pütz, und der schöne Tag fand dann einfach einen runden Abschluss. Wie erwähnt, nicht, das ich Hunger gehabt hätte, aber zum Bier und im Pütz ist die Bockwurst einfach großartig.


Kölner Lichter am Samstag

...ungefähr 800 Bilder geschossen... werde den Dom sicher vermissen, und in diesem Setting gibt's einfach schöne Fotos.


Kochkreis goes Bali

Am Mittwochabend war seit Ewigkeiten dann der Kochkreis geplant, und eigentlich war es mir schon länger klar, das stresst mich so richtig. Und richtig Ruhe zum kochen hab ich nicht. So hab ich also die Kochkreis-Leute umgebogen, und wir haben es uns richtig gut lesen lassen. Der Indonese "Warung Bali" auf der Brabanter Straße ist einfach gut, lecker, und die Bedienung ist einfach witzig. Zum CSD waren wir auch dort, und habe Matthias v.W. Alt-Bier bestellen lassen - billiger Gag, aber mit großer Wirkung. Dem Indonese fielen die Augen aus dem Kopf, und er sagte nur entsetzt mit leicht asiatischem Slang "Kommen Sie aus Düsseldorf" ;-) Entschuldige Matthias fürs rein reiten - er kommt aus Bremen und kennt hier die lokalen Kokettereien nicht, aber Spaß macht es trotzdem :-D.

Na, und dann nach Ewigkeiten mal wieder ins M20 - und auch nach Ewigkeiten mal wieder mit alten Freunden unter der Woche abgestürzt. Christiane hatte ohne Ferien, Ela und Christian hatten die Kinder bei den Großeltern... Ein bisschen wie zu Ausbildungszeiten Anfang der 90er.

Abschied vom WDR

In der Mediagroup waren noch zwei straffe Tage geplant. Gestern war das dann auch so - noch mal kräftig für hart-aber-fair gearbeitet. Nun denn, und heute, nach dem ich mich morgens noch mit Mietkram beschäftigt habe und dann noch zu Karstadt musst, war mir klar, das wird nix mehr. Selbst die freundliche Anfrage von Caro, noch ein paar Formulare zu codieren, war jetzt nicht mehr das, was am letzten Tag nach meinem Geschmack war.

Habe dann Teilchen bei Merzenich gekauft, und mit den Kollegen noch etwas geplaudert. Danach den Schreibtisch aufgeräumt - öhm - eigentlich richtig leer gemacht, meine Daten gesichert, und den Rechner im Prinzip zum Platt-Machen vorbereitet. Keine Ahnung, für wen und wann und ob mein Rechner dort gebraucht wird. Wäre natürlich schön, wenn er in einem halben Jahr noch so da stünde, aber erwarten tue ich das nicht. Hab ehrlicher Weise auch keine Ahnung, was in nem halbem Jahr ist. Wer weiß das schon. Aber jetzt war im Büro des WDR erst mal klar, dass jetzt Abschied kommt.

Ich merke deutlich, dass es schon merkwürdig ist, dass es auch schade um die lieben Kollegen ist, aber es geht für mich eben auch weiter, so war es jetzt auch nicht wirklich dramatisch. Wäre auch übertrieben, aber ich blicke zurück. Es gab einen großen Abschied im Haus 16 von 7 Jahren, einen vor vier bei Plancode (kein wirklich schöner), und im Berufsdasein ist es einer der größeren Abschiede - gehört aber eben dazu... Und nu sitzt ich hier, und lasse einfach meine Gedanken kreisen, und freue mich einfach auch, mal etwas Zeit für mich zu haben (um für die Welt zu bloggen ;-) )

Ja, drei Tage noch Puckpresse, dann geht's so richtig in die Abschiede, aber freu mich, dass ich noch sehr entspannt bin, freue mich aber auch, wenn ich in 10 Tagen im Flieger sitze... Bin mal gespannt, wie die 10 Tage jetzt vergehen, und vor allem, wie ich mich fühlen werden.

Dieser Blog-Eintrag ist jetzt für andere wahrscheinlich nicht so spannend - für mich ist es schön, und es ist gerade einfach eine sehr intensive Zeit mit Veränderungen, die ich in der Form seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Bin sehr gespannt....

Auto ist verkauft!

Mittwoch, 9. Juli 2008

...noch isses merkwürdig - aber nu isser fott!

...so geht es Schlag auf Schlag - habe heute morgen um kurz vor 9 das Auto unter mobile.de eingestellt... Kaum 10 Minuten später kam der erste Anruf - Termin für den Abend vereinbart - danach stand das Telefon nicht mehr still - ab mittags hab ich dann nur noch gesagt, das Auto ist weg, obwohl es noch da stand.


Der Typ kam, es war ihm zu teuer, bzw. ich wollte bei den ganzen Anrufen heute nicht sofort darauf eingehen - und dann rief Anke an - wollte am Telefon schon versprechen, dass sie die Tage kommt, und das Auto holt, habe sie überzeugt, dass besser jetzt oder nie - und sie kam, sah, zahlte und fott war mein Turbo-Fiesta - keine schlimme Trennung, hatte zu ihm nie die tiefste Beziehung!

Jetzt wäre nur noch eine Unterkunft schön - dann kann es los gehen ;-)

Jessi und andere Verrückte

Dienstag, 8. Juli 2008

...noch 20 Tage - ich werd wahnsinnig...

Der CSD hier in Köln ist vorbei, meine Bremer Freunde waren wie jedes Jahr da, es war wie jedes Jahr einfach schön, und seit gestern Mittag, nach dem sie weg waren, spüre ich deutlicher denn je, dass es nun wirklich nicht mehr lange ist.

Die Zeit verrauscht einfach, eben hatten wir noch Juni, jetzt ist schon fast Mitte Juli, und es scheint, dass die Tage durch die Menge an Arbeit einfach nur noch so verfliegen!

Letztes Wochenende schien es dann so, dass ich ein WG-Zimmer gehabt hätte. Auf der craigslist.com hatte ich eine Anzeige aufgegeben, auf der sich kurz um dann auch Jessi meldete - sehr nettes Mädel, noch sehr jung, aber nach ein paar Mails hin und her kam ihre Zusage, dass ich das Zimmer hätte - wirklich in einer guten Lage - schöne Wohnung... Vor allem fand sie gut, dass ich Ausländer bin, und sie glaubt, dass sie davon sehr profitieren wird. OK - Jessi schien schon etwas zerstreut, alles, was sie erzählte, sagte sie auch fünf mal, betonte immer wieder, dass sie doch jede Menge Anfragen bezüglich der Wohnung hätte - und sie würde das freie Zimmer nicht des Geldes wegen untervermieten... Es wurde an der Stelle merkwürdig, als sie mehrfach fragte, was ich ihr kaufen würde, wenn ich zu ihr kommen würde - beim ersten und zweiten mal bin ich einfach mal über diese Frage hinweg gegangen, weil ich nicht wirklich wusste, was sie wollte, und habe nach gefragt, was sie meint. Ich verstünde wohl die Worte, aber nicht die Botschaft - m - sie meinte es genau wie sie es schrieb, sie wollte wissen, welche Geschenke ich ihr mit bringe. Oh Mann, jetzt haste so ein gutes Wohnungsangebot, und jetzt landeste direkt bei einem crazy girl... Einen Nachmittag ging es mir auch in der Tat richtig schlecht damit, weil es mir ehrlicher Weise echt etwas Angst machte - nachher lerne ich spontan ihre acht Brüder kenne, weil Jessi die Geschenke nicht in den Kram passen...

Habe Angelika die Mails mal quer lesen lassen (Danke noch mal), und danach war dann auch die Entscheidung klar - das geht nicht, das muss ich absagen.

Mit Angelika hatte ich mich in Mühlheim im www.jakubowski-koeln.de getroffen, um mit ihr noch ein paar Einstellung an Ihrem Mailprogramm vorzunehmen. Ein schöner Abend. Irgendwann setzt sich ein Mann an den übernächsten Tisch, und bestellt ein Kölsch. Kurz später Angelika war kurz drinnen, um nach dem WLAN zu fragen, dreht sich der Mann um, schaut mich an, und meint deutlich "Ja ja, er wüsste genau, was hier abgeht, und wir sollten nicht so tun, als ob wir davon nichts wüssten" - hä - da der Gute erst mal gar nicht wirr wirkte, habe ich höflich und entschuldigend nach gefragt, dass ich gerade wahrscheinlich irgendwas nicht mit geschnitten hätte, und ich deswegen auch nicht verstehe, was er möchte. "Ja, er wüsste, dass wir die Schäfchen im trockenen hätten, und das das alles auf seine Kosten laufen würde" (ok - wo ist der den gerade ausgebrochen) - und fast gleichzeitig fährt ein Auto vorbei, der Fahrer stecken den Kopf während der Fahrt aus dem Auto und brüllt ganz laut irgendwas - aber keine Worte, sondern nur irgendwelche wilden Laute... Mühlheim ist schon auch etwas verrückt - Angelika, die jahrelang mit psychisch Kranken gearbeitet hat, versuchte mich abzulenken, und wir haben das Gespräch mit dem Nebentisch abgebrochen, und durch Ignorieren versucht, die Situation zu entspannen - was für uns auch gelang, der gute Mann pöbelte dann Leute an einem anderen Tisch an. Die Bedienung kümmerte sich dann aber langsam darum, und wie sich raus stellte, hatte er nachmittags schön Leute durch sein Schimpfen vertrieben... echt verrückt - und dann kam das Auto von vorher aus der anderen Richtung gefahren, und das gleiche Spiel wie eben, Kopf raus und irgendwas gebrüllt, das ist mal Erlebnisgastronomie ;-)

Da es im Jokubowski nichts auf der Karte gab, was mich so richtig angemacht hat, wollte ich dann auf dem Heimweg noch schnell n Happen essen, obwohl es schon 11 war - oh ja, zu meinem Lieblingsgriechen am Brüsseler Platz - einfach noch mal eine Curry-Wurst mit Pommes - hab ich schon ewig nicht mehr gegessen... Die Stimmung unter dem Personal schien etwas angespannt zu sein, wobei auch einige Griechen im Laden saßen, die sich lautstark über einen Wohnungskauf unterhielten - das Griechisch war gefüllt mir Worten wie "Zwangsversteigerung" oder "Paragraph 59 Miet-Irgendwas-Gesetz (und das in eine deutlich kölschen Aussprache "neun-un-fuffzisch") - machte Spaß, zu zuhören.

Zum Essen bestellte ich ein Glas Rotwein - leider sprang mir der Lippenstift am Rand des Weinglas so ins Auge, dass ich den direkt reklamierte. Die gute nicht mehr ganz junge Frau, die ebenso gut in einer Modeboutique oder in einem Nähstübchen sitzen könnte, schaute leicht murrig, nahm das Glas aber sofort zurück. Ich saß direkt an der Theke, von daher konnte ich der Frau zuschauen: Sie nahm ein neues Glas aus dem Schrank, und schüttete beherzt den Wein aus dem Lippenstiftglas in das saubere, und stelle es mir wieder hin. Ich musste innerlich laut los lachen - abgesehen davon, dass es schon sehr frech war, hat mich die Selbstverständlichkeit der Dame wirklich amüsiert - was soll es, ich bin nicht so pingelig, und habs einfach dabei belassen. Erfreulicher Weise hatte der Chef, der gerade von draußen wieder in das Lokal kam, dies Szene mit geschnitten, mit das Glas wieder weg genommen, mir dann ein neues Glas mit frischen Wein serviert, und die gute Frau aus dem Augenwinkel mit Blicken mindestens gevierteilt. Und hinter mit lief weiter die griechisch-kölsche Unterhaltung...

Echt schon verrückt, was es nicht all für Menschen auf dieser Welt gibt - bin mit einem zufriedenem selbst amüsierten Gefühl nach Hause...


Heute sind es noch genau 20 Tage - auch mich überkommt der Wahnsinn - merke, dass mein Kopf doch sehr voll ist, sodass ich aktuell sogar einfach Dinge vergesse - wie zum Beispiel Rechnungen zu begleichen (Zum Glück isses mir immer noch rechtzeitig wieder in den Sinn gekommen). Ich spüre, dass das ein ganz großer Einschnitt für mich und mein liebes Leben sein wird, wenn ich fünf Monate fort sein werde. Umso näher der Abflug kommt, umso kürzer kommen mir die fünf zwar vor, aber ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so ein starkes Gefühl erlebt, dass sich so einiges verändern wird. Ich bin echt richtig gespannt....