Keine Homepage? Wer es glaubt...

Dienstag, 27. Januar 2009
...surfe gerade tumbe durch das WWW und stolpere ├╝ber diese Seite:

Stephan-hat-gar-keine-Homepage

...kannte ich noch nicht - witzig gemacht!

Nicht schreiben f├Ąllt schon schwer - aber spart auch Zeit! Nun sind es noch 14 Tage bis zum R├╝ckflug nach San Francisco. Freue mich. Gelassenheit in K├Âln entwickelt sich, genie├če einen Alltag hier, f├╝hle mich sehr zu Hause, und freue mich gleichzeitig auf das andere Leben in Amerika. Schon verr├╝ckt. Die Welt ist sooo klein, so nahe bei einander...

Sieben (bis jetzt f├╝nf) Wochen K├Âln sind sehr kurz - und doch so lang. Jeden Tag neue Eindr├╝cke auch hier, viele Gespr├Ąche, treffe jeden Abend andere Freunde, und genie├če es... An dieser Stelle in gut zwei Wochen mehr ├╝ber das "Zwischen-den-Welten"...

Liebe Gr├╝├če aus K├Âln-Ehrenfeld!

K├Âln im Schnee - und das gro├če Hadern

Freitag, 9. Januar 2009
...nun, zum Gl├╝ck habe ich beim letzen mal nur eine kurze Schreibpause versprochen - so hab ich nun kein v├Âllig schlechtes Gewissen, mich heute schon wieder zu melden - und das nach nur zwei Wochen in K├Âln...

Danke an dieser Stelle f├╝r die zahlreichen Kommentare ÔÇô ich habe mich sehr dar├╝ber gefreut - sowohl von den Bekannten als auch von unbekannten Schreibern. Mit dem Bloggen scheint zu SMS, Skype, Twitter, Facebock, XING usw. wirklich eine neue Kommunikationsform dazu gekommen zu sein - die mir nach einer Woche Abstinenz fast schon fehlte...


Das Schlag-auf-Schlag der Unternehmungen von Anfang Dezember scheint sich gerade fort zu setzen. Nach den ersten Tagen zu Weihnachten mit der Familie bin ich jetzt in K├Âln und so gut wie jeden Abend verplant. Kino oder Sport sind aktuell gar nicht drin. Fast t├Ąglich treffe ich Freunde, gehe oft vom WDR direkt, keine Ruhe, noch mal nach Hause zu gehen, ohne Pause zur abendlichen Verabredung. Den Berg der Termine finde ich mitunter ein wenig bedr├╝ckend, finde es aber auch gut, die Gelegenheit jetzt auch beim Schopf zu packen und viele Leute zu treffen. Die Spr├╝che der letzen Jahre "ich muss unbedingt mal vorbei kommen" verhallen gerade nicht, sondern es wird ein Termin gesucht, und man trifft sich! Die begrenzte Zeit in Deutschland hat eben auch positive Effekte!

Zehn Tage hat es gedauert, bis ich mein Jetlag richtig verdaut hatte, obwohl als Pfleger Nachtdienst-gepr├╝ft, scheine ich die Umstellung gerade nicht so gut zu verkraften wie noch vor 10 Jahren im Wechseldienst. Nun denn, es droht ja auch die gro├če 4 mit der b├Âsen Null dahinter, und auch an mir scheint das Alter nicht spurlos vorbei zu gehen, was mir viele Umstehende als bekanntes Ph├Ąnomen best├Ątigen... Dank der gef├╝llten Zeit laufe ich scheinbar aber nicht Gefahr, ├╝ber den Eintritt in die n├Ąchste Dekade ins Gr├╝beln zu geraten - na ja, Dinge zum Gr├╝beln habe ich jedoch gerade reichlich!

Was mich am allermeisten verwundert, dass mir die Zeit in San Francisco wie ein Wimpernschlag vor kommt und es sich leider ganz weit weg anf├╝hlt. Tagelang habe ich meine Bilder sortiert, und sollte eigentlich viele Gr├╝nde zur Wehmut haben. Nichts. Ich bin hier, als ob ich nicht weg gewesen w├Ąre... Alles so vertraut, auf dem Weg zu meinem ersten tempor├Ąren Domizil bin ich mit dem Fahrrad meine alte Inline-Strecke gefahren und merkte, ich kenne hier wirklich jede Bodenkachel, wei├č genau, welchen Hubbel zur Verkehrsberuhigung ich an welcher Stelle umfahre kann um so das Tempo nicht drosseln zu m├╝ssen.

Wenig Wehmut wegen San Francisco, wenig Gef├╝hlsduselei aber auch zu K├Âln. Ich bewege mich in der Stadt wie im Schlaf, 17 Jahre in der Stadt ziehen eine gewisse Vertrautheit nach sich, die letzen sechs sogar ohne Umzug, laufe ich rund um den Rudolfplatz, als ob ich nie weg gewesen w├Ąre. Tanja meinte irgendwann mal, dass sie bei Heimatbesuchen das Gef├╝hl hat, zu Hause bleibt die Welt stehen ÔÇô dieses Gef├╝hl habe ich nicht. Direkt nach meiner Ankunft sah ich, das Musical-Zelt am Dom ist geputzt und wieder blau (der Ru├č der Stadt macht es schnell irgendwie dreckig-grau), an der Severinsbr├╝cke f├╝hrt am neuen Microsoft-Geb├Ąude nun eine Treffe hoch auf die Br├╝cke; ein B├╝ro-Geb├Ąude an der Pipinstra├če, dass vor einem halben Jahr noch eine Baugrube war, wird schon mit Au├čenverkleidung versehen, und die Kranenh├Ąuser in den neuen Rheinauhafen sind fast ohne Einr├╝stung zu sehen... Die Stadt hat weiter gelebt.

├ťberlegungen ÔÇô es ist ein Hin und Her



Meine Gedankenwelt ist hingegen noch viel besch├Ąftigter als ich als Person mit den ganzen Terminen und Besuchen. Mir geht K├Âln nicht auf den Nerv, es begeistert mich aktuell aber auch nicht. Ich freu mich, Freunde zu treffen, K├Âln selber scheint allerdings ein wenig vorbei zu sein. Ich fand es immer gut, und jetzt ist eben vorbei. Ich qu├Ąl mich hier nicht, es kann wiederum gut sein, dass ich in einem halben Jahr nirgendwo anders leben m├Âchte als in K├Âln. Aktuell ist es eher ein Nicht-Gef├╝hl.

Ich war heute das erste Mal - eher aus organisatorischen Gr├╝nden ÔÇô im Haus in dem meine Wohnung ist (jedoch nicht in der Wohnung selber, meine Untermieterin war nicht da). Mich hat absolut keine Wehmut gepackt. Irgendwie gut, dass man nicht an vergangenem klebt - aber auch schade, dass das Gef├╝hl so schnell verschwindet. Mag vielleicht auch eine Nebenwirkung des Alters und der damit vermeintlichen Gelassenheit sein - diese hat sich allerdings bei mir noch nicht gemeldet, bin mitunter sehr angespannt.

Ich laufe mit dem Fotoapparat in der Hand durch K├Âln. Das ist wiederum sch├Ân, da ich die Stadt auf einmal wieder an gucke. Und genauso viele Bilder, die ich von der Golden Gate Bridge habe, k├Ânnte ich auch nun vom Dom machen. Der Abstand zur Stadt hat eben auch hier positive Seiten. Und es passieren schon viele Kleinigkeiten, die mir ein Schmunzeln auf die Lippen bringen. Der Putzmann beim WDR - sch├Ątzungsweise osteurop├Ąischer Herkunft und um die 60 wischte um mich herum, da ich um 19:00 noch im B├╝ro sa├č. Er leerte meinen M├╝lleimer, guckte mich an und meinte - sonst ist kaum ein 'n Abend wahr zu nehmen - "Sie waren aber lange nicht mehr hier". Es ist also aufgefallen, dass ich nicht da war! Zumindest im R├╝ckblick ;-) .

Oder heute morgen an der Bahn, als der Stra├čenbahnfahrer auf eine heran laufende ├Ąltere Frau wartete und die bereits geschlossenen T├╝ren wieder ├Âffnete. Ich dachte mir: Wie sch├Ân, es gibt bei der KVB also doch auch Menschen mit guten Umgangsformen, was in San Francisco v├Âllig ├╝blich ist, hier wird keinem Fahrgast die T├╝r vor der Nase zu geschlagen...
Oder meine Nachbarin Roswita (im Rentenalter), die mir heute sagte, ja, mach das, geh in die Welt, genie├če es, guck Dir so viel an wie Du kannst, wenn sie nochmal jung w├Ąre, sie w├╝rde das genau so machen, auf Kinder und Partner verzichten. Ein ganz tiefes Gef├╝hl von "Das Leben ist so schnell vorbei gerannt" dr├╝ckte Sie aus, und gab mir den ernsten Rat, alles mit zu nehmen, was geht!

Ach, fast v├Âllig vergessen, was ich absolut genie├če ist ein 100% funktionierendes Netzwerk hier in K├Âln. Nur ein Telefonat reicht, um eine Unterkunft zu haben, oder ein Auto, oder, oder... F├╝nf Monate Fern sein ├Ąndern nichts an einer Vertrautheit, klar, das Leben geht f├╝r alle weiter und alle entwickeln sich weiter, aber ich habe das ganz tiefe Gef├╝hl, dass hier alleine der Freunde wegen immer ein St├╝ck Heimat bleiben wird.

Ich schreibe und schreibe und schreibe und komme zu keinem Punkt. So geht es mir gerade. Ein st├Ąndiges Hadern mit allen Dingen. Will ich jetzt hier sein oder dort? Ein kleines Zwischenergebnis der Gedanken ist derweil gefasst: Wenn ich wieder in San Francisco bin, werde ich mir ein Zimmer suchen, dass ich mir auch f├╝r l├Ąnger Zeit einrichte, egal, auch wenn ich nach einem halben Jahr wieder abreise. Aber es fehlt gerade wirklich ein zu Hause. In den Staaten bin ich gerade ohne Wohnung, hier auch nur mit Behelfsl├Âsungen untergebracht - ich sch├Ątze die Gastfreundschaft meiner Freunde sehr - aber es fehlt mir gerade ein wenig die eigene T├╝r, die ich hinter mir zu machen kann, und dann den guten Mann einfach einen guten Mann sein lassen kann.

Die Zeit rennt - nur noch 4 1/2 Wochen bis zum R├╝ckflug



Langsam fange ich an, nach Jobs in Amerika zu gucken. Was ich lange Zeit umgangen habe, passiert langsam wieder von alleine, wie ich es von mir auch eher kenne (als Selbst├Ąndiger habe ich selten das Problem gehabt, mich motivieren zu k├Ânnen - neige eher zum zu viel arbeiten). Das hei├čt, beim n├Ąchsten Aufenthalt muss ich dort arbeiten, sonst ist das f├╝r die Katz. Wenn ich frei spinnen darf - am liebsten w├╝rde ich bei Google arbeiten, und dort in der Abteilung, die ganz eng mit Deutschland zusammen arbeitet. So k├Ânnte mir Google auch dreimal im Jahr den Flieger in die Heimat finanzieren... Oder, habe mich gestern auf einen Job als ├ťbersetzer f├╝r Werbeanzeigen in einer Netzwerkfirma beworben. Deutscher, bzw. Nativ Speaker ├Ąhm, Muttersprachler zu sein ist eben auch ein Einstellungskriterium. K├Ânnte mir gut vorstellen, auch solche Jobs zu machen und etwas fachfremd zu arbeiten. Wie auch immer, es wird was kommen, und ohne die konkrete Situation zu kennen, bin ich absolut zuversichtlich, dass sich was findet wird...

Immer mehr kommt mir in den Kopf, ich sollte meine Halbjahres-Planungsvariante verl├Ąngern und vielleicht ├╝ber zwei Jahres-Zeitr├Ąume planen. Macht in vieler Hinsicht Sinn, vor allem strengt es mich gerade an, und alle sechs Monate Grundsatzentscheidungen zu treffen, kann man vielleicht durch andere Planungsans├Ątze umgehen. Aber auch dar├╝ber denke ich morgen vielleicht schon wieder ganz anders nach.

Und und und. Wenig Reisebericht heute, viel unausgegorene Gedanken, wer es bis hier her geschafft hat, bei dem bedanke ich mich. Geh├Ârt f├╝r mich pers├Ânlich aber auch dazu. Nun denn, in absehbarer Zeit wird es auch wieder Zeilen aus der Ferne geben...

Noch ein letztes "Ach Ja": K├Âln liegt gerade im Schnee. In K├Âln schneit es jeden Winter, das ist nichts Au├čergew├Âhnliches. Die Regel ist aber eher, drei Schnellflocken fallen, absolutes Verkehrschaos kommt auf und nach vier Stunden ist alles wieder weg. Diesmal anders. In der Nacht zum Montag hat es bestimmt 10-15 cm geschneit, dann ist es richtig kalt geworden, und seit vier Tagen liegt hier dauerhaft Schnee, viele Gehwege sind gef├Ąhrlich vereist... Meine Temperaturanzeige zeigt 11┬░C in San Francisco und Sonnenschein an - auch der Dollar-Kurs sieht gut aus... es g├Ąb also auch gute Gr├╝nde, auch heute wieder zur├╝ck zu fliegen ;-) nun denn, ich genie├če die Zeit in K├Âln, und freu mich auf San Francisco!

Die Fotos sind alle vom letzten Wochenende, die ersten beiden vom Aachener WeiherÔÇŽ ja, zugefroren! Auch nicht so h├Ąufig ;-)


R├╝ckblick in Kurzfassung ÔÇô und eine kleine Schreibpause

Donnerstag, 1. Januar 2009
Ich habe zwar ein Res├╝mee angek├╝ndigt, merke allerdings, wie schwer mir es f├Ąllt, gerade einen klaren Gedanken zu fassen. Gerade nach dem Besuch von Matthias und Matthias, w├Ąhrend dem wie extrem viel unternommen haben, f├╝hlte ich mich fast etwas ├╝berfordert von den unterschiedlichen Eindr├╝cken und der extrem sch├Ânen gemeinsamen Zeit. Erk├Ąltungsm├Ą├čig angeschlagen war mir in der letzen Woche in San Francisco nur noch nach Entspannung, hatte nach Ewigkeiten das kleine japanische Wellnessbad Kabuki gefunden um einfach etwas zur Ruhe zu kommen, trotzdem waren die letzen Tag in der Stadt verplant mit Terminen und Treffen mit Freunden.

Jetzt bin ich hier in Deutschland, f├╝hle mich leer, komme mir vor, als ob ich kaum 14 Tage weg war. Nach drei Tagen mit der Familie kehrt sehr schnell wieder viel Allt├Ągliches ein, die ersten Begegnungen mit Freunden zeigen ebenfalls dieses ÔÇ×Du bist doch gerade erst gefahrenÔÇť-Gef├╝hl. Was ich sp├╝re, ein ÔÇ×Erz├Ąhl mal, wie es warÔÇť funktioniert nicht. Ich freue mich ├╝ber ganz viele Begr├╝├čungen, ganz verbundene Freunde. Und dann falle ich fast in ein Schweigen, da ich weder wei├č, wo ich anfangen soll, wei├č nicht, wie ich es beschreiben kann, was mich beeindruckt hat. Es f├╝hlt sich schon nicht mehr gegenw├Ąrtig an, ich habe das Gef├╝hl, wenn ich davon erz├Ąhle, dass ich dann Geschichten erz├Ąhle, die ich auch selber irgendwo h├Ątte lesen k├Ânnen. Die Zeit in San Francisco f├╝hlt sich von hier aus, im Haus von Birgit und Thomas irgendwo in Porz, ganz weit weg an.

Kleiner Kurzabriss


Im Groben ÔÇô was ist anders? Deutschland ist wie geleckt! Es ist sauber, die Stra├čen sind alle tiptop-gepflegt. In Amerika (sprich, San Francisco, das ist mein Horizont dort dr├╝ben, ├╝ber den ich schreiben kann) sind die Stra├čen, wei├č nicht, wie ich es ausdr├╝cken soll ÔÇô nicht kaputt, aber sehr st├╝mperhaft gebaut. Vielleicht ist das auch ein Grund f├╝r die 110 h/km H├Âchstgeschwindigkeit, mehr w├Ąre wahrscheinlich fatal und w├╝rde zu Unf├Ąllen oder Reifenpannen aufgrund der schlechten Fahrbahnen f├╝hren. In der Stadt (abgesehen von den H├╝geln) w├Ąre man als Inline-Skater auf jeden Fall verloren.

Die Menge der Penner bzw. Homeless-People ist immens, habe die Tage in K├Âln auch ein paar wenige gesehen, auch manche ziemlich abgewrackt, aber hier sind es Vereinzelte, dort kann man sich das Stra├čenbild ohne kaum vorstellen.

In der Stra├čenbahn hier in K├Âln schwebt man fast wie im ICE von A nach B ÔÇô in San Francisco wird man egal ob von Bussen oder Bahnen kr├Ąftig durchger├╝ttelt ÔÇô letze Woche erz├Ąhlt mir noch irgendwer, dass er in einem Bus in San Francisco unterwegs war, in dem fast alle Leute vorzeitig ausgestiegen und nicht bis an ihr Fahrziel gekommen sind, da die Busfahrerin wohl in einem solchen Tempo die H├╝gel rauf und runter fuhr, entweder betrunken, wahrscheinlich eher zugedr├Âhnt war und einen angsteinfl├Â├čenden Fahrstil hatte.

Die Menschen auf der Stra├če sehen anders aus. OK ÔÇô K├Âln ist jetzt nicht das provinzielle Dorf, wie es mir nach 17 Jahren Vertrautheit oft vorgekommen ist. Klar, T├╝rken oder andere S├╝dl├Ąnder gab es schon immer, aber die Menge der Schwarzen und Asiaten (also, dem optisch sichtbaren Multi-Kulti-Volk) scheint in den letzen Jahren zugenommen zu haben. Der Mix in San Francisco ist wesentlich extremer. Was hier der T├╝rke ist, ist dort der Mexikaner, der meist etwas kleiner und vom K├Ârper tendenziell etwas gedrungener ist. Im Mission-District, in dessen N├Ąhe ich gewohnt habe, kann man auch ausschlie├člich mit Spanisch ├╝berleben. Abgesehen von dieser eher Mono-Kultischen Gegend, oder wie China-Town, wo neben Touristen kaum andere Bewohner au├čer Chinesen zu finden sind, ist es in der Stadt oft bunt. Spannend, wie die V├Âlker sich langsam mischen. Viele Menschen, die eindeutig afro-amerikanische Einschl├Ąge haben, aber nicht richtig schwarz sind. Man sieht Asiaten, bei denen andere V├Âlkchen mit gewirkt haben: Im Gesicht erkennt man die Z├╝ge eines Menschen aus Fernost, die sind dann aber schon mal 1.90m hoch oder muskelprotzig, wie man sich den klassischen Asiaten nicht gerade vorstellt ;-). Einfach sch├Ân bunt.

Stadt der Paradiesv├Âgel


In der Stadt leben gef├╝hlte Unmengen von Studenten, mit unterschiedlichen M├╝tzen, Piercings im Gesicht, viele Leute mit Tattoos, extrem eng geschnittene Hosen (hab mich st├Ąndig gefragt, wie die Jungs diese Hosenbeine ├╝ber ihre Kn├Âchel bekommen haben), die Baggy-Jeans, scheint zumindest in der Generation unter 30 ausgedient zu haben. Extreme Brillen, riesig, oder einfach aus Plastik und knall-gelb. Jede Menge Dreadlocks, viele junge Leute mit Skateboards unterwegs (was mich bei den Stra├čen und H├╝geln oft gewundert hat). Schwarze Jugendliche mit riesigen Jacken bis zu den Kn├Âcheln und Kapuzen, dass man sich an South-Park erinnert f├╝hlt. Ringels├Âckchen, Fransenjacken, und, und, undÔÇŽ Es scheint auf jeden Fall verdammt schwierig zu sein, einen einzigartigen Stil zu finden, bzw. aufzufallen scheint kaum m├Âglich. Der einzelne bunte Vogel f├Ąllt kaum auf, wird wahrscheinlich wegen der Menge an schr├Ągen Gestalten auch nicht mehr angeglotzt. Nun denn, ich schaue mir so gerne Menschen an, da wird das Gucken in der Stadt nicht so schnell langweilig!

Nicht selten riecht man einen Duft von Haschisch ÔÇô egal, ob man ├╝ber die Stra├če l├Ąuft, schon mal urpl├Âtzlich im Auto, ohne zu wissen, woher das kam, oder beim Spazierengehen im irgendeinem Park. Ich habe mich nicht mit der Gesetzeslage befasst, da Hasch nicht mein Zeug ist, zumindest ist es hier recht ├Âffentlich. Und selbst in Wohnungsanzeigen auf der craigslist.org wird durch das verklausulierte ÔÇ×I am 420 friendlyÔÇť ganz deutlich ausgedr├╝ckt, dass der Wohnungssuchende regelm├Ą├čiger Marihuana-Raucher ist (Wiki wei├č auch nicht genau, woher die Klausel 420 oder 4:20 f├╝r Cannabis kommt). An der Anzahl der Verr├╝ckten auf der Stra├če vermutet man auf jeden Fall, dass es manche wahrscheinlich etwas ├╝bertrieben haben, oder auch andere Drogen zu lange konsumiert haben. Von heftigeren Drogen bekommt man allerdings auf der Stra├če relativ wenig mit.

Sicherheitsgef├╝hl in San Francisco


Mag sich wie ein Drogen-Eldorado an h├Âren und der damit verbundenen Kriminalit├Ąt. Klar, ist ein Teil davon. Insgesamt habe ich mich aber selten so sicher in einer Stadt so sicher gef├╝hlt wie in San Francisco. Es gibt Ecken ÔÇô wie zwischen Market und der 6. Stra├če, an dem offensichtlich ein lukrativer Drogenumschlagplatz ist und wo schon d├╝stere Gestalten zu sehen sind. Ohne das zu wissen hatten wir uns (Matthias und ich) im Sommer mit Freunden genau an dieser Ecke verabredet, diese kamen sp├Ąter, deswegen mussten wir dort 10 Minuten warten. Die Dealer wurden sichtlich unruhig, da wir einfach nur da standen, aber nicht kaufen wollten ;-) ÔÇô Die nerv├Âsen Dealer lie├čen wiederum uns dann auch nicht entspannt... Wenn man jedoch wei├č, wo das ist, und man diese Ecken z├╝gig passiert, ist das kein Problem. Ich behaupte sogar, dass 90% der Touristen es gar nicht mitbekommen, dass sie dort aus einem umfangreichen Drogen-Angebot ausw├Ąhlen k├Ânnten...

Ein paar Stra├čen weiter, mitten drin in der Innenstadt, ist der Stra├čenstrich, der unterscheidet sich jedoch nicht sonderlich vom Hamburger Hauptbahnhof. Klar, man wird angesprochen, ob man nicht will, aber sowohl in Hamburg als auch in San Francisco wissen die Nutten sehr gut, bei wem sie nachhaken m├╝ssen und wem sie einfach noch einen sch├Ânen Abend w├╝nschen.

Klar, es gibt auch Ecken, vor denen mich jeder gewarnt hat, wie zum Beispiel dem Hunters Point, wo extrem viele schwarze im sozialen Wohnungsbau leben und eine sehr hohe Kriminalit├Ąt sein soll - nicht, dass ich das bestreiten will ÔÇô aber genau in der Ecke wohnt ein Bekannter, den ich ein paar Mal besucht und den Heimweg oft erst sp├Ąt am Abend angetreten habe. Auch hier habe ich nie das Gef├╝hl gehabt, es ist jetzt f├╝r mich gef├Ąhrlich. Mir ist schon klar, dass ich als knapp 100 Kilo-Mensch nicht als leichtes Opfer zu betrachten bin. Dazu kommt, dass ich - wie einige Leute meinten - ein recht durchschnittliches Aussehen eines wei├čen Amerikaners habe, man mich eben auch f├╝r jemanden aus der Nachbarschaft halten k├Ânnte, so dass ich tats├Ąchlich nie das Gef├╝hl der Unsicherheit hatte.

Klar, schon mal ein Unwohlsein, aber ich habe mich wesentlich unwohler gef├╝hlt, wenn sich ein stinkender Penner im Bus in meine N├Ąhe setzte. Einen gab es, der neben mir sa├č, sich urpl├Âtzlich in meine Richtung drehte und aus den tiefsten Lungenspitzen mir mitten ins Gesicht hustete, zum Gl├╝ck trocken. Aber ich sp├╝rte den warmen Atemsto├č und dachte: B├Ąh! Aber Angst vor Gewalt oder sogar Waffen, nein, die hab ich nicht gehabt (ganz klar aber mit dem Wissen, dass es jede Menge Waffen gibt und diese im Rahmen von Rivalit├Ąten verschiedener Gangs auch zum Einsatz kommen). Ich w├╝rde sogar behaupten, dass ich mich so entspannt durch die Stra├čen bewegt habe - oft mit einem Grinsen im Gesicht von wieder neuen Blicken durch die Stra├čenschluchten - und meine gelassene Ausstrahlung wie eine Art Schutzschild gewirkt hatÔÇŽ

Ein einziges Mal bin ich einem Penner direkt in die Arme gelaufen: Ich habe mich von einer Freundin verabschiedet, mich umgedreht und bin ohne zu gucken los gegangen und habe den so gut wie umgelaufen. Der schlug wild auf mich ein, aber nicht wirklich aggressiv, sondern eher erschrocken, genauso wie ich, die Schl├Ąge waren letztendlich Abwehrschl├Ąge. Hat nicht weh getan. Lediglich wollte er dann als Wiedergutmachung mein Kleingeld haben. Als er dann meinte, das w├╝rde nicht reichen, konnte ich ihm aber auch sagen, dass 2,50 Dollar nun genug Entsch├Ądigung f├╝r dieses Versehen w├Ąren. Das hat er dann auch so geschluckt.

ÔÇ×Um Kohle beschissenÔÇť wurde ich ebenfalls nur ein einziges Mal. Und das nicht mal in San Francisco, sondern in Reno. Hier hat der Barkeeper - leider etwas zu offensichtlich - meinen 20 Dollar-Schein unter die Kasseneilage verschwinden lassen und wollte mir das Wechselgeld auf 10 Dollar raus geben. Mit der Begr├╝ndung, ich m├╝sse mich irren, da er keine 20-Dollar-Scheine in der Kasse h├Ątte (klar, die waren ja auch drunter). Aus Kulanz hat er mir f├╝nf Dollar mehr rausgegeben, was ich im Nachhinein schon als ÔÇ×ErwischtÔÇť gedeutet habe. Aber da war es auch zu sp├Ąt, um noch mal den Fusch aufzudr├Âseln. Ansonsten ÔÇô klar, es kostet alles Geld, aber die Erfahrung ist schon, dass die Leute mit Geld sehr sorgf├Ąltig umgehen, und eher mal eine Dollar mehr zur├╝ck geben, wenn der Bartender das Gef├╝hl hat, es sei nun zu viel Trinkgeld, oder das n├Ąchste Getr├Ąnk geht dann eben aufs HausÔÇŽ

Kleine Schreibpause und in eigener Sache



Ja, so isses, da denk ich, ich kann nicht viel schreiben, aber einmal angefangen schlender ich dann doch durch die verschiedenen Erinnerungen. Ich m├Âchte es damit aber f├╝r heute belassen.

Weihnachten traf ich einen Bekannten aus Erfurt, der mit erz├Ąhlte, dass er sich gerne meine Bilder angeguckt und auch im Blog geschm├Âkert hat. Ich war ├╝berrascht, dass er ├╝berhaupt die Domain zu meinem Blog kannte. Ich habe mich sehr dar├╝ber gefreut, da er selber Bild-Redakteur ist, konnte er meine Freude gut verstehen, da er wiederum selber auch selten Feedback zu seiner Schreiberei bekommt.

Ein wenig geht es mir auch soÔÇŽ und doch wiederum nicht. Ich sehe in meinen Webstatistiken, dass ich t├Ąglich zwischen 20 und 30 Besucher habe. Zum Teil durch die Verlinkung bei The American Dream - danke noch mal daf├╝r. Aber aus den unterschiedlichsten Ecken, nicht nur in K├Âln, sondern aus dem ganzen Land bekomme ich mit, wie einzelne Leute meine Zeilen verfolgen. Ein Stammleser im Westerwald, eine Amerika-Begeistere aus Freiburg, ein Webdesigner aus Ulm, Kollegen meiner Schwester im Fr├Ąnkischen haben im Sommer gelesen, die Mutter einer Freundin aus dem Hunsr├╝ck, aber auch einige Freunde und Bekannte aus K├Âln oder dem Bergischen Land oder neue Freunde aus San Francisco. Das freut mich so sehr, und macht mich auch ein wenig stolz. Ach ja, nicht zu vergessen meine drei M├Ądels (+Herbert) aus S├╝d-Kaliforniern als Stamm-Kommentatorinnen ;-).

Kommentare erw├╝nscht!


Ich w├╝rde mich freuen, ganz viele Kommentare unter diesem Beitrag zu finden. Liebe Leser, gebt Euch einen Ruck und gebt Euch zu erkennen! Am liebsten ohne irgendeine Lobhudelei, ein einfacher Gru├č tutÔÇśs auch! Und wenn dort ein ÔÇ×Was ich noch ├╝ber XXX wissen wollteÔÇŽÔÇť zu lesen sein wird, dann freue ich mich umso mehr! Keine Ahnung, ob ich was beantworten kann, vielleicht gibt das aber neue Anregungen, um ├╝ber weitere Themen zu schreiben.

Fortsetzung folgtÔÇŽ


Nun denn ÔÇô f├╝r alle Live-Time-Leser ÔÇôalles erdenkliche Gute f├╝r 2009, viel Gl├╝ck und vor allem Gesundheit! F├╝r mich gehtÔÇÖs am 10. Februar wieder nach San Francisco, per Direktflug von Frankfurt (Umsteigen ist ja nicht meins ;-)) ÔÇô entweder bis dahin, oder bis zu einem Zwischenbeitrag, wenn ich meine Sicht der Welt noch mal als schreibenswert erachteÔÇŽ Also, in diesem Sinne: Vielen Dank f├╝r das treue Lesen! Stephan