So hat alles begonnen

Donnerstag, 10. Mai 2007
Meine kleine R├╝ckschau, wie alles begann...
Ich kann es nicht mehr auf den Tag bezeichnen, aber Anfang der Geschichte war igendwann zwischen April und Oktober 2002. Ich hatte gerade die Schulung bei SIEMENS abgeschlossen, hatte nach 2 1/2 Monaten Jobsuche die Festanstellung bei b&e bekommen und arbeitet dort bereits. Ich wohnte noch in der Myliusstra├če zusammen mit Christiane, und zappte durch den Videotext von Pro 7. Da habe ich zum ersten mal davon geh├Ârt: The American Dream.

Nicht, dass ich konkrete Absichten gehabt h├Ątte, aber ich bin auf die Webseite, hab mir das angeguckt, wahrscheinlich hatte ich schon n K├Âlsch getrunken, und hab mich einfach registriert. Visa-Karte raus, die Teilnahme kostete glaube ich ca. 40 ÔéČ, aber was solls - ist zwar n teurer Spa├č, aber... ach, egal.

Ich wei├č noch, dass ich damals dem Kollegen Lupp davon erz├Ąhlte. Er erz├Ąhlte davon, dass er die USA zwar gerne bereist h├Ątte. Allerdings hatte er arge Schwierigkeiten mit der Bush-Regierung und wollte solange das Land auch nicht bereisen. Aber das war ewig her, und die Anmeldung war auch f├╝r mich eher ein Joke - mal gucken, was passiert - mehr nicht...

Die Homepage und die Kundenbindung von http://americandream.de funktionierte dann so gut, dass ich einmal j├Ąhrlich eine E-Mail bekam, man klickte, alles war schon sch├Ân ausgef├╝llt, und man musste nur noch mal die Visa-Controll-Nummer best├Ątigen, und war in der n├Ąchsten Runde dabei - ganz nach dem Motto: Die Freiheit nehm ich mir. Ehrlicher Weise k├Ânnte ich heute nicht sagen, wie oft ich bei der Greencard-Lotterie mitgemacht habe, aber demnach m├╝ssen es 5 Mal und damit ein Invest von rund 200 ÔéČ gewesen sein. Ich wei├č nur, nach der Mail vom 10. Mai 2007 habe ich nicht noch mal mitgemacht ;-)

Nun denn. Der 10. Mai war auf jeden Fall ein sonniger Tag - das meine ich noch zu erinnern. Ich war gerade beim WDR - genauer gesagt der WDR Mediagroup, bei der ich seit Ende M├Ąrz 2006 als freier Mitarbeiter zweimal die Woche mich um das CSS und HTML k├╝mmerte. Ab und an schaue ich von dort aus einfach in meine private Mailbox (Hallo Marc, ich hoffe, das ├Ąndert nichts an der guten Zusammenarbeit), und war eigentlich schon durch die T├╝r, als ich las: GreenCard- GEWINN-Benachrichtigung f├╝r Stephan Heller (2-769-075).

Mm. Ich guckte den Student Dennis an, der am selben Schreibtisch wie ich sitzt, und meinte: Nu, da hab ich ne Greencard gewonnen. Wir haben noch kurz dar├╝ber geplaudert, aber eigentlich hatte ich das Gef├╝hl, ist auch nur eine E-Mail von vielen.

Der erste Gedanke war, ach, was n Quatsch - was soll ICH denn in Amerika.

Aber es war nat├╝rlich nicht nur einfach Spa├č. In den Tagen und Woche danach kam mir nat├╝rlich schon der ein oder andere Gedanke zu dem Thema in den Sinn. Nun war ich noch nie in den Staaten, und habe nur eine vage Vorstellung von dem, wie es dort sein k├Ânnte. Mein Urlaub in Australien 2002 und die Stadt Sydney hatte mir damals ein wenig Einblick in die weite Welt verschaffen. Zwar am anderen Ende der Erde, nat├╝rlich sehr britsich gepr├Ągt und damit sehr europ├Ąisch. Aber vor allem mit dem Geh├╝hl, das ist nix anderes als hier. Klar, es wird englisch gesprochen, ich kann mir verst├Ąndigen, spreche aber bei weitem kein flie├čendes englisch. Kulturell erst mal kein gro├čer Utnerschied, klar, bei den Feinheiten stellt man immer ein paar Verschiedenheiten in der Mentalit├Ąt fest. Das hatte ich damals aber schon bei dem Australier Robert Knapman wahrgenommen, der ein paar Jahre in K├Âln lebte. Aber selbst mein Essener Auftraggeber Tobias tickt in den Feinheiten schon etwas anders als der Rheinl├Ąnder (wobei er 1. FC K├Âln-Fan ist, was mich immer noch ├╝berrascht...)

Egal, also, warum nicht Amerika. Nach den anf├Ąnglichen Gedanken: Mein n├Ąchster Urlaub ist in Amerika. Ich guck mir das mal an, gucke, wie die Leute ticken, gucken, wie f├╝r mich als Web-Programmierer der Markt ausieht, und dann einfach mal wirken lassen.

Ab in die Meyersche, schon mal das Buch "Bewerben und Arbeiten in den USA" bestellt, aber auch "Kulturschock USA" - danke noch mal der Verk├Ąuferin f├╝r den guten Tipp.

Aber irgendwie hatte ich auch das Gef├╝hl, nach einem Urlaub wei├č ich auch nicht mehr. Im Urlaub ist alles sch├Ân, alles entspannt und eine reale Einsch├Ątzung kann man danach auch nicht treffen.

Und es kam immer mehr der Gedanke: Warum nicht einfach machen?. Mein Leben verl├Ąuft gerade in einer ganz ruhigen Spur. Die Leute um mich herum besch├Ąftigen sich mit Ihrer Beziehung, mit Wohnung kaufen und gestalten, Kinder bekommen und gro├č ziehen. Schon mit dem Wissen, dass ich viel Platz f├╝r die Gestaltung meines Lebens habe. Aber nicht nur einfach viel Platz. Sondern auch ideale Vorraussetzung. Single, kinderlos, sprich, keine Bindung an irgendwas. Mit meiner kleinen Firma daik.de bin ich seit drei Jahren nun mehr auch erfolgreich. Das k├Ânnte nat├╝rlich auch dagegen sprechen, hier zu verschwinden. Doch das ist Quatsch. Mein Arbeitsplatz ist das Internet - und das ist ├╝berall. Selbst der Gedanke, f├╝r l├Ąngere Zeit nicht in Deutschland zu sein, ist beruflich kein Problem - w├╝rde Amerika nicht anstehen, h├Ątte ich sicher f├╝r den n├Ąchsten Winter meinen Cran Canaria-Urlaub auf 6 Wochen ausgedehnt, h├Ątte den Laptop eingepackt, und mich dort neben Sonnen und Strand noch regelm├Ą├čg um Einnahmen zu k├╝mmern.

Also auch meine aktuellen Kundenn kann ich mit nehmen. Und find ich da n Job? Na, da hilft http://monster.de. Oder Benni aus den USA, der dort als deutscher Programmierer lebt und arbeitet, der mit den Link zu http://dice.com geschickt hat. Und viele andere Jobsuchmaschinen. Barriererfreiheit, bzw. Accessibility ist in Amerika ebenfalls gro├čes Thema - vielleicht sogar noch mal verbindlicher als hier. Bei Monster den Suchagenten eingestellt, so kommen t├Ąglich 2 - 15 Jobgesuche aus San Fransisco, die mein Profil treffen. Dank Internet ist man da ziemlich nah dran. Auch die Wohnung scheint kein Problem zu sein. Unter craigslist.org ist auch der Wohnungsmakrt einzusehen. Selbst die Angebote, die ich gefunden habe, waren direkt mit einem Link verbunden, der zu Google Maps leitete, wo man sofort sehen konnte, wo die Wohnung / das Zimmer den liegt.
Und zu guter letzt gibt es hier in K├Âln nicht nur eine Mitwohnzentrale, die sich um die zeitweise Vermietung von Wohnungen k├╝mmert. Bei meiner Wohnlage im Belgsichen Viertel und einer recht erschwinglichen Miete sollte auch das kein Problem sein. Zumal dort auch die Info zu lesen war, dass der Vermieter bei Auslandaufenthalt eine Untervermietung nicht ablehnen darf. Na, und mein Vermieter ist ohnehin sehr angnehm. Mit Frau Stein zu telefonieren macht immer wieder Spa├č.

Zwischen zeitlich hat ein Gespr├Ąch mit meinem Finanztuppes Wolfgang Stricker ergeben, dass ich versicherungstechnisch eigentlich alles habe, was ich brauche. Da ich ohnehin wegen Selbst├Ąndig privat versichert bin, gilt das auch f├╝rs Ausland - die Altersvorsorge l├Ąuft hier still weiter, eine Arbeitlosenkasse zahl ich hier auch nicht (wie ist das eigentlich in Ami-Land - da muss ich mich noch mal umh├Âren), aber im Prinzip kann ich genau so weiter arbeiten wie bisher, stelle am Ende der Arbeit die Rechnung, und joot iss...

Fragen, die sich gerade noch stellen, ob ich vorher noch eine Gesellschaft gr├╝nde, irgendwie eine Limited, oder sowas, um zumindest rechtlich nicht so nackich da zu stehen, wie man es hier als GbRler oder als Einzelunternehmer, wie ich es einer bin, de Fakto in Deutschland tut. Aber das Risiko gehe ich hier t├Ąglich ein, ob das in USA auch so easy ist, muss ich sicher noch vorbereiten...

Ach ja - San Francisco - schon erw├Ąhnt, aber wie kommt es denn dazu?
Bei der Frage nach dem Ort gab es ├╝berhaupt nichts lange nach zu denken. Vor New York habe ich ehrlich gesagt etwas Schiss - ist mir zu gro├č, und ich h├Ątte Angst, dort richtig im Gro├čstadtsumpf unter zugehen. Das Gef├╝hl kenn ich aus Berlin - das ist zwar super, aber echt un├╝berschaubar...

Und au├čer San Francisco ist mir nix eingefallen. Sicherlich getrieben von einer gigantischen Lage an der Westk├╝ste mit der Golden Gate Bridge, aber alleine die Tatsache, dass ich als schwuler Mann, der in K├Âln eine gut funktionieren Infrastruktur findet, nicht in eine Homo-Diaspora m├Âchte. Wenn schon, dann denn schon. Aber ganz abgesehen davon. Sch├Ątzungsweise ein bis zwei Autostunden von San Francisco liegt Silicon Vallay mit Ebay, Google und Co - so ganz falsch kann die Ecke eben auch f├╝r mich als Web-Heini nicht sein.

Drei Reise-DVD ├╝ber San Francisco bestellt, und positiv best├Ąrkt worden - das geh ich hin!

Und irgendwie ist seit Sommer 2007 nicht mehr viel passiert. Die Formulare zur konkreten Beantragung der Greencard sind ausgef├╝llt, Portfolio auf englisch erstellt, und ab die Post - im wahrsten Sinne. Per Einschreiben. Acht Wochen danach wurde ich dann doch nerv├Âs, weil der R├╝ckschein nicht kam. Wie ├Ąrgerlich w├Ąre es doch, jetzt wegen einem Fehler beim Versenden alles zu vermassen... Aber Nachverfolgung beantragt - und in der Tat - meine Formulare sind in Kentucky angekommen - Post aus Amerika - das ist schon komisch...