Mein Oktober in San Francisco - surreales D├ęj├á-vu - und Adieu Greencard

Sonntag, 28. November 2010
...sitze gerade vorm Rechner, irgendwas zwischen sonntagmorgens und Mittag, der Kopf ist etwas zu verkatert, um zum Squashen zu gehen, und eher zuf├Ąllig lande ich ├╝ber ein Infomail von yasni.com hier zu meinem eigenen Blog.

Und surfe eher wahllos ├╝ber alte Eintr├Ąge, und werde etwas wehm├╝tig, schaue mir noch mal ein paar alte Bilder an, und f├╝hl mich wirr. Meine f├╝nf Wochen in San Francisco sind heute genau ein Monat her. Und schon wieder so lange her.

Die f├╝nf Wochen waren eher ruhig. Anfangs gepr├Ągt von viel Arbeit, Dinge, die ich immer mal machen wollte. Am Ende dann eher beschaulich, habe wenig unternommen, habe auch vieles, was ich immer mal machen wollte, einfach sein lassen, bin mal zu Strand gefahren, oder einfach ins Museum, aber die gro├čen Reisen in die Umgebung habe ich nicht geschafft.

Einerseits bedauerlich. Aber auch in Ordnung. Ein Zweck von dem Urlaub war vor allem, von der vielen Arbeit hier eine Pause zu haben. Und wenn man f├╝nf Wochen weg ist, hat man auch nicht das Gef├╝hl, dass man nun auf Biegen und Brechen was unternehmen muss, sondern ein Tag am Rechner mit unbezahlter Programmierarbeit oder ein Abend zu Hause mit einer DVD, ÔÇśnem Bier und ein paar Chips v├Âllig in Ordnung ist...

Ja, in der Tat waren die f├╝nf Wochen von einer gewissen Tr├Ągheit ├╝berschattet. Aber irgendwie in positiver Weise. Einfach das Gef├╝hl zu haben, nichts machen zu m├╝ssen, sich einfach gehen zu lassen. Aber vor allem mit dem Blick: Wo bin ich da eigentlich?

Vor allem, wieder in meiner alten Wohnung in SF zu sein, in mehr oder weniger ver├Ąnderter Einrichtung (mein Nachmieter Thomas hatte so gut wie nichts ver├Ąndert, selbst die N├Ągelchen, mit denen ich vor 1 1/2 Jahren den Hebelmechanismus zum ├ľffnen des Fensters reparieren wollte, lagen noch im Staub auf der Fensterbank) war ein st├Ąndiges D├ęj├á-vu.

Ich wei├č nicht, wie oft ich in der K├╝che stand, dem Nachbar, dessen K├╝che direkt gegen├╝ber war, zunickte, ich im Bad war, mir das lackierte Holzspielgelschr├Ąnkchen mit dem unverwechselbarem amerikanischen Stil anguckte, und irgendwie mit diesem surrealen Gef├╝hl klar zu kommen, wo und was und wie mein Leben gerade passiert. Einerseits f├╝hlte sich SF wie zu Hause an, weil die Umgebung so vertraut war.

Und gleichzeitig, nein, mein Leben findet in K├Âln statt. Und neben dem Eintauchen in meine eigene Vergangenheit beobachtete ich bei mir selber, wie wenig ich mich mit Amerika und der Stadt besch├Ąftigt habe, und sp├╝rte ganz deutlich, wie ich den gro├čen Haken hinter ÔÇ×das Thema Amerika" machte.

Bin zwei Tage vor der Abreise noch mal zur Golden Gate Bridge gefahren, ganz bewusst und zu Fu├č, habe noch mal viele Bilder gemacht - eigentlich die gleichen wie vor 2 1/2 Jahren, als ich mit Matthias in SF ankam. Und f├╝hlte es ganz klar, ich verabschiede mich gerade von San Francisco.

Zumindest f├╝rs erste. Zumindest soweit, dass ich die Greencard zur├╝ck an den Absender senden werde. Noch liegt sie da, aber es ist nicht die Frage, ob, sondern wann bzw. wann ich mir die Zeit daf├╝r nehme!

F├╝hlt sich gerade komisch an - aber so isses jetzt. Und irgendwann auch gut, dass es entschieden ist. Bin seit einem Monat wieder hier. Und mit geht gerade durch den Kopf, wie ich mich vor 3 1/2 Jahren f├╝hlte, als die Gewinnbenachrichtigung zur Greencard kam: Es war alles schrecklich langweilig!

Und heute? Es ist das absolute Gegenteil! Die ersten drei Novemberwochen waren so voll mit organisatorischem Kram, Auto gekauft (suchen, aussuchen, kaufen, anmeldenÔÇŽ), viele Gespr├Ąche mit potentiellen neuen Auftraggebern, viel Steuerkram, oft im Bergischen, um Mutter bei organisatorischem Kram zu unterst├╝tzen... und, und, und.

Und gleichzeitig strecke ich die F├╝hler nach neuen Gesch├Ąftsfeldern aus, ├╝berlege, was man mit diesem Computerkram sinnvolles noch machen kann, sinnvolles nicht im Sinne von nur Geld verdienen, sondern was wirklich Sinnvolles... Nun denn, das ist wahrscheinlich meine Aufgabe: Die Suche geht also weiter! Naja, und bin damit sicher nicht der einzige auf der Welt... in diesem Sinne - einen sch├Ânen Sonntag!